Milchdaten, von der Erfassung über die Verarbeitung
zur logistischen Nutzung
Auf Milchsammelfahrzeugen fallen heutzutage folgende Daten an:
- automatische Erkennung des Lieferanten
- Identifikation des Fahrers
- amtlich ermittelte Milchmenge
- Temperatur der Milch inklusiv der Grenzwertüberwachung
- Zuordnung der Probeflasche
- Datum/Uhrzeit
- Messanlagenüberwachung (Service/Wartung)
- Fahrzeug- und Motordaten (für Wartung bzw. für Serviceintervalle)
- Störungsprotokollierung z.B. mit Dokumentation von manuellen Eingriffen
In modernen Fahrzeugflotten werden weitere Funktionalitäten integriert:
- Steuerung der Messanlage (Pumpen-, Probenehmersteuerung usw.)
- Steuerung der Tanklogistik (Ventilsteuerung für die Compartments, Anhänger,
usw.) für die Annahme und ggf. auch für die Ausgabe (z.B. bei
Teilauslieferungen)
- Übermittlung von Informationen an den Lieferanten (Laborergebnisse,
Hinweise usw.), die direkt am Fahrzeug ausgedruckt werden können
- Tourenführung durch Navigationsunterstützung für den Fahrer
- Überwachung der Probenkühlung
- Überwachung des Tankinhalts.
GEA Diessel hat mit seinem modularen Konzept ZEVODAT und mit der selbst entwickelten Elektronikplattform
CS3 schon vor Jahren ein „offenes“ System entwickelt. Es bietet den Vorteil,
dass sich neue, innovative Funktionen nachträglich in die bestehende Anlage
einarbeiten lassen, d.h. die ZEVODAT bleibt dadurch aktuell und die Lebensdauer der
Gerätegeneration verlängert sich von Entwicklungsstufe zu
Entwicklungsstufe.
Die Möglichkeiten der Kommunikations- und Satellitentechnik sind feste
Bestandteile auf Tankwagen. Die Erkennung des Lieferanten erfolgt bereits
häufig direkt über GPS-Ortung. Die anfallenden Datensätze können unverzüglich
über GSM oder GPRS zur sofortigen Weiterverarbeitung übermittelt werden. Der
Disponent ist so in der Lage, den Belieferungsbedarf der Molkerei und den
aktuellen Annahmeverlauf zu überwachen und ggf. anzupassen. Amtliche
Druckbelege, Halbleiterkassetten als Zwischenspeicher oder traditionelle
Kabelübertragung finden immer weniger Einsatz. Kabellose Übertragungstechniken
wie Infrarot oder Kurzfunk werden aber nach wie vor verwendet.
Intelligente Logistikprogramme unterstützen das Fuhrparkmanagement nach dem
Motto:
„Optimierung des Fahrzeugeinsatzes bei störungsfreiem Warenfluss“.
Die Molkerei muss auf abweichende Parameter sofort reagieren können.
Ziel für die Tourenplanung ist es u. a., die Tankkapazität möglichst zu
100% auszunutzen. Hierbei sind einige wichtige Aspekte zu berücksichtigen:
- Überschreitung der Gewichtsbeschränkung z.B. für Brücken
- Überschreitung des Tankfüllstandes z. B. bei Straßenneigungen
- sonstige Beschränkungen für die Abholung (Nachtruhe, Fahrverbote usw.) oder
Straßenbenutzungen (zeitlich begrenzte Umleitung im Bereich von Schulen)
- Arbeitszeitüberwachung des Fahrers (auch auf maximale Jahresarbeitszeit)
Amtliche Messanlage mit Steuerung und Datenerfassung Typ
ZEVODAT-M
Die Milchgeldabrechnung ist nach wie vor ein wichtiger Aspekt für die
Datenerfassung auf Milchsammelfahrzeugen. Hierzu muss die Milchmenge mit den im
Labor ermittelten Analysedaten verknüpft werden. Die eindeutige Identifizierung
von Probeflasche und Lieferant ist dabei überaus wichtig. Beispielsweise wird
die Barcodenummer vor Start der Probenahme beim Lieferanten zur Sicherheit von
der Datenerfassung erneut eingelesen. Sind zusätzliche Informationen für die
Probenahme notwendig, so empfiehlt sich die Verwendung von RFID-Tags. Die
Datenströme von Labor und Tankwagen fließen im Betriebssystem automatisch
zusammen und bilden die Grundlage für die Milchgeldabrechnung.
Die Vereinheitlichung der Datenformate und gemeinsame Richtlinien für die
Sammlung der Milch sind Ziel von Fachverbänden und Molkereien. Im EU-Raum
lassen sich die Fahrzeuge nur so über Landesgrenzen hinaus einsetzen.
Die sichere und amtlich zugelassene Messung muss in jedem Fall gewährleistet
sein. Die einzelnen Geräte besitzen zwar eine Bauartzulassung und somit eine
umfangreiche Eigenüberwachung, dennoch wird häufig über eine stationäre
amtliche Gegenmessanlage (Volumenmesstechnik oder Waage) für eine ausreichende
Redundanz und damit für eine zusätzliche Messsicherheit gesorgt
Kommunikation mit dem Fahrzeug
Aus dem einseitigen
Datenaustausch vom Fahrzeug zur Basisstation ist mittlerweile ein „multipler“
Austausch zwischen allen Teilnehmern innerhalb der Flotte geworden. Die
Rückmeldung der Mengendaten des Vortages („Mengen Memory“) unterstützt die
Steuerung des Probenehmers auf dem Fahrzeug, um eine gleichmäßige Probe
abzufüllen. Gleichzeitig sind diese Mengen die Grundlage für die dynamische
Tourenplanung.
Änderungen der Tour, unplanmäßige Ereignisse lassen sich jederzeit
individuell in die Fahrzeuge übertragen, wo der Fahrer auf speziellen Terminals
oder sogar integriert in handelsüblichen Navigationsgeräten die notwendigen
Instruktionen erhalten oder abrufen kann.
Für diese ständige Kommunikation
bietet sich besonders der GPRS-Dienst an, der von GEA Diessel seit 2002 in
Flotten nachträglich in die bereits vorhandene ZEVODAT integriert wurde.
Datensicherheit
Die Verfügbarkeit der Daten sollte in
der einzelnen Datenerfassungseinheit bereits ausreichend über z.B. den
Langzeitspeicher abgesichert sein. Zusätzlich sind aber Zugriffs- und
Manipulationssicherheit der Datenkanäle wichtige Aspekte. Bereits bei der
Grundkonzeption hat GEA Diessel alle modernen Sicherungstechniken an den
verschiedenen Stellen der gesamten Übertragungskette vom Fahrzeug über das
Internet bis in den Server hinein berücksichtigt Somit bleiben die Daten sowohl
von außen, als auch von innen geschützt.
Der Autor:
Hermann Hartmann, Dipl.-Phys. Bereichsleiter
bei GEA Diessel für Mess- und Datentechnik
Veröffentlicht in: Deutsche Milchwirtschaft 5/2006
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