Da geht dem Sauerstoff die Puste
aus
Entgasungssysteme und Karbonisieranlagen
Die Entgasung und die Karbonisierung sind wesentliche
Bestandteile der Getränkeproduktion. Bei Getränken führt eingelagerter
Sauerstoff zu einer Beeinträchtigung des Geschmacks und zur Verkürzung der
Haltbarkeit. Um den Sauerstoffgehalt auf ein vertretbares Maß zu senken, werden
die Zutaten oder das Fertigprodukt entgast. Die Karbonisierung von Getränken
dient der Geschmacksverbesserung und verlängert die Haltbarkeit der Getränke.
Im nachfolgenden Beitrag werden verschiedene Entgasungssysteme sowie
Vorgehensweisen der Karbonisierung beschrieben.
Die einfachste Art der Entgasung ist die Lagerung von
Flüssigkeiten in Tanks über eine gewisse Zeit. Während der Verweilzeit kann
eingeschlossene Luft durch Auftrieb aus der Flüssigkeit entweichen. Dieses
Verfahren wendet man hauptsächlich bei Vor- und Zwischenprodukten an, wie zum
Beispiel Zuckerlösung oder Fertigsirup. Der Sauerstoffgehalt kann bei diesem
Verfahren auf ein vertretbares Maß gesenkt werden. Die Größenordnung beträgt
etwa 3 mg O2/Liter. Zusammen mit entgastem Wasser werden dann im Fertiggetränk
gute Werte erreicht.
Während des Transferprozesses eingetragene Luft wird in
Vorlaufgefäßen oder Luftabscheidern ausgetragen. Hierbei handelt es sich um
Luft, die bei der Tankumschaltung oder bei der Fassabsaugung in die
Rohrleitungen gelangt. Die Vorlaufgefäße werden in der Regel vor den
Transferpumpen installiert. Ohne den Einsatz von Vorlaufgefäßen würde durch die
Pumpen die Luft im Produkt fein verteilt werden.
Um fein verteilte Luft oder gelösten Sauerstoff aus den
Flüssigkeiten zu entfernen, ist der Einsatz von Entgasungsanlagen notwendig.
Hier gibt es unterschiedliche Verfahren:
-
Heißentgasung mit Unterdruck
-
Heißentgasung oder Kaltentgasung durch CO2-Begasung
-
Kaltentgasung unter Vakuum
-
Kaltentgasung über Filtermodule
Abhängig vom Produkt und den geforderten
Restsauerstoffwerten werden unterschiedliche Apparate eingesetzt:
Heißentgasung für Fruchtsäfte
Fruchtsäfte werden heiß entgast, wobei der
Entgasungsbehälter unter leichten Unterdruck gehalten wird. Es erfolgt die
Entgasung des fertigen Getränks. Die Entgasung findet in einem
Unterdruckbehälter statt, in den das auf ca. 50°C erwärmte Produkt eingesprüht
wird. Die Systeme werden in der Absaugleitung mit Kühlschlangen zur
Aromarückgewinnung ausgerüstet, da bei der Behandlung auch Aromastoffe
verdampfen. Das Kondensat läuft in den Behälter zurück.
Die Systeme sind aufwendig, da beim Anfahren der Anlage das
Produkt zuerst im Kreislauf aufgeheizt werden muss. Als weiterer Aufwand ist
die Aromarückgewinnung zu nennen. Die Produktverluste beim Anfahren und
Abfahren der Anlage sind hoch. Die Anlagen lassen sich aber leicht in
Pasteurisieranlagen integrieren.
Heißentgasung für Wasser mit CO2-Zugabe
Heißentgasungen für Wasser arbeiten im Vergleich zu den
oben beschriebenen Anlagen für Fruchtsaft ohne Vakuum. Sie bestehen meist aus
zwei Kolonnen, die nacheinander vom Wasser durchlaufen werden.
Das Wasser wird auf ca. 75°C erhitzt und den Kolonnen
zugeführt. Mittels einer Regenerationsstufe im Wärmetauscher wird bei der
Abkühlung ein Wärmerückgewinn erzielt. In einer weiteren Stufe wird das Wasser
auf die gewünschte Temperatur abgekühlt.
Das Wasser wird in den Entgasungskolonnen fein versprüht
und rieselt über die Füllkörper langsam nach unten. Von unten nach oben strömt
CO2 und sorgt für die Freisetzung des Sauerstoffs. Zusätzlich ist zwischen der
ersten und zweiten Entgasungsstufe eine Injektordüse für CO2 eingesetzt, die
für die innige Vermischung von Wasser und CO2 sorgt und den Entgasungseffekt
noch erhöht. Das Wasserniveau in den Entgasungskolonnen wird stets konstant
gehalten. Die Erhitzung des Wassers sorgt gleichzeitig für eine Entkeimung.
Sensoren für Durchfluss, Niveau und Sauerstoff überwachen
die Anlage auf ordnungsgemäße Funktion. Die Anlagen können auch als
Kaltentgasung mit höheren Restsauerstoffwerten betrieben werden. Hierbei
entfällt der energieaufwendige Wärmetauscher.
Durch die CO2-Zugabe findet eine leichte Aufkarbonisierung
des Wassers statt. Die Anlagen können daher für Produktion stiller Getränke
nicht verwendet werden. Die Heißentgasungsanlage erreicht hervorragende
Restsauerstoffwerte von <0,02 mg O2/Liter und ist deshalb für die
Brauindustrie besonders geeignet.
Vakuumentgasung
Die Vakuumentgasungen werden einstufig oder zweistufig mit
CO2 Dosierung ausgeführt. Die zweistufige Anlage besteht aus zwei liegenden
Behältern, die übereinander angeordnet sind, einer Vakuumpumpe, einer
Umwälzpumpe und einer Austragspumpe. Die Behälter sind mit Sprühdüsen
ausgerüstet. Beim Betrieb werden die Behälter durch die Vakuumpumpe evakuiert.
Der absolute Druck in den Behältern beträgt etwa 0,05 bar.
Das zu entgasende Wasser strömt durch das
Wassereinlassventil in den unteren Entgasungstank, wobei es über spezielle
Düsen fein versprüht wird. Im Entgasungstank wird, bedingt durch das Vakuum,
ein großer Teil des gelösten Sauerstoffs freigesetzt und abgesaugt.
Eine Umwälzpumpe fördert das vorentgaste Wasser in den
oberen Entgasungstank, wo es wiederum fein versprüht wird. Auf dem Weg in den
oberen Tank wird dem Wasser eine bestimmte, einstellbare Menge an CO2
zudosiert. Die Partialdruckabsenkung führt zur nochmaligen Freisetzung des noch
gelösten Sauerstoffs aus dem Wasser.
Das entgaste Wasser wird über die Austragspumpe aus dem
oberen Entgasungstank gefördert. Das Gasgemisch, das im oberen Entgasungstank
frei wird (es besteht zum größten Teil aus CO2 und enthält nur wenig
Sauerstoff), strömt durch eine Öffnung in der Rohrleitung in den unteren
Entgasungsbehälter, wird dort im Gegenstrom zum eingesprühten Wasser geführt
und über die Vakuumpumpe abgesaugt. Diese Gegenstromführung im unteren
Entgasungsbehälter bewirkt zusätzlich eine Verbesserung der Vorentgasung. Die
zur Entgasung benötigte CO2-Menge hängt von dem gewünschten
Restsauerstoffgehalt im Wasser und der Wassertemperatur ab.
Mit der Wasserentgasung DIOX 2 von GEA Diessel kann bei einer Wassertemperatur von 12°
C ein Restsauerstoffwert kleiner 0,05 mg O2/Liter erreicht werden. Dazu ist
eine CO2-Zugabe von nur 0,5 g/l Wasser notwendig. Bei einer höheren
Wassertemperatur verringert sich die benötigte CO2-Menge entsprechend.
Die Wasserzufuhr wird über das Niveau im unteren Behälter
gesteuert. Das überschüssige Wasser, das von der Austragspumpe nicht
ausgetragen wird, fließt durch die Öffnung in der Rohrleitung vom oberen
Entgasungstank in den unteren Entgasungstank zurück und wird somit über die
Umwälzpumpe im Kreislauf gefahren.
Diese Konstruktion hat auch den Vorteil, dass bei kurzen
Produktionspausen, wenn kein entgastes Wasser abgenommen wird, die gesamte
Wassermenge zwischen dem unteren und oberen Entgasungsbehälter umgewälzt wird.
Die Anlage muss somit nicht abgeschaltet werden und liefert nach der Pause
sofort wieder optimal entgastes Wasser.
Als Alternative zu den herkömmlichen Vakuumpumpen kommen
auch trockenlaufende Vakuumpumpen zum Einsatz. Hierdurch können die
Betriebskosten gesenkt werden. Die Anschaffungskosten sind dagegen höher.
Filtration von Wasser
Die
Filtermodule bestehen aus einer großen Anzahl von mikroporösen
Polypropylen-Hohlfasern. Die Fasern werden von außen vom Wasser umströmt. Die
Poren in den Fasern lassen nur Gas durch, Wasser wird zurückgehalten. Über eine
Vakuumpumpe wird das Gas aus den Poren abgesaugt. Die zusätzliche Beschickung
der Fasern mit CO2 oder Stickstoff verbessert den Sauerstoffaustrag.
Durch den Einsatz der Filtermodule können niedrige
Restsauerstoffwerte von unter 0,01 mg O2/Liter erreicht werden. Der erreichbare
Wert ist abhängig von der Filteranzahl und vom Durchfluss. Die Filtermodule
sind für max. 40.000 l/h geeignet.
Karbonisierung von Getränken
Der
letzte Produktionsschritt bei der Getränkeherstellung ist die Karbonisierung.
Hier wird dem fertigen Getränk CO2 zugegeben. Herzstück der Anlagen ist der
„Sättiger“ durch den das Gas fein verteilt der Flüssigkeit zugegeben wird.
Damit das Gas in Lösung gehen kann, ist hinter dem Sättiger entweder eine lange
Rohrleitung als Beruhigungsstrecke oder ein Drucktank installiert. Hierin
unterscheiden sich auch die Anlagen.
Karbonisieranlage mit Drucktank
Der wesentliche Bestandteil der Anlage ist neben dem
Mischtank der Sättiger, der nach dem Venturi-Prinzip arbeitet. Das fertig
ausgemischte Getränk wird über eine Druckerhöhungspumpe dem Sättiger zugeführt.
Die Strömungsgeschwindigkeit durch den Sättiger wird durch eine Regelung im
optimalen Arbeitsbereich konstant gehalten. Der erzeugte Unterdruck im Sättiger
sorgt für die gewünschte Saugwirkung für CO2. Die kurzzeitig erhöhte
Strömungsgeschwindigkeit bietet außerdem die Gewähr für eine feine Verteilung
des CO2-Gases und damit für eine homogene Mischung im Produkt. Die Zuführung
von CO2 zum Sättiger erfolgt aus dem Drucktank, dessen konstanter Druck die
Gewähr für eine gleichmäßige Karbonisierung des Getränks ist. Durch dieses
Verfahren wird außerdem eine verlustfreie CO2-Zuführung gewährleistet.

Die Karbonisierung des Getränks ist im Wesentlichen
vom Behälterdruck abhängig, der als Funktion des geforderten CO2-Sollwerts des
spezifischen Getränks eingestellt wird und nur geringfügig über dem
Sättigungsdruck des Produktes liegt. Die Anlagen werden für unterschiedliche
Durchflüsse gebaut und werden der installierten Füllerleistung angepasst. GEA
Diessel baut Anlagen unter der Bezeichnung DICAR von 10.000 l/h bis 70.000
l/h.
Bestandteil der GEA Diessel Karbonisierung DICAR-C ist eine Analyseeinheit
zur Kontrolle der wesentlichen Produktdaten: CO2-Gehalt, Leitfähigkeit für den
Säuregehalt und Brixwert als letzte kontinuierliche Kontrolle vor der
Abfüllung. Diese Daten werden erfasst und in den vorgegebenen Grenzen
überwacht.
Der Drucktank dient in Verbindung mit einer vorgeschalteten
Ausmischanlage gleichzeitig als Puffertank, um einen möglichen „Stopp and Go“ -
Betrieb des Füllers zu kompensieren.
Herzstück der Karbonisieranlage ist der „Sättiger“,
durch den das Gas fein verteilt der Flüssigkeit zugegeben wird. Damit das Gas
in Lösung gehen kann, ist hinter dem Sättiger entweder eine Rohrleitung als
Beruhigungsstrecke oder ein Drucktank installiert. Karbonisieranlage mit
Sättigungsstrecke
Karbonisieranlage mit Sättigungsstrecke
Die Anlagen werden hauptsächlich zur Aufkarbonisierung von
Bier verwendet. CO2 wird über den Sättiger dem Produkt zugeführt und feinst
verteilt, damit es in der anschließenden Sättigungsstrecke zur Bindung kommt.
Über ein Regelventil wird der CO2-Durchfluss kontrolliert. Der aktuelle
CO2-Gehalt wird am Ende der Sättigungsstrecke vom CO2-Messgerät ermittelt. Die
Steuerung kann bei Abweichungen das Regelventil entsprechend beeinflussen.
Solche Anlagen baut das Unternehmen für Leistungen von 100 hl/h bis 700 hl/h.
Ergänzt werden kann die Anlage um Analysegeräte für Stammwürze oder
Alkoholgehalt, mit denen eine Überwachung des Produkts möglich ist.
Zusammenfassung
Die heute verfügbaren modernen Systeme zur Entgasung und
Karbonisierung decken die Erfordernisse bezüglich der erforderlichen Werte und
Genauigkeiten für die unterschiedlichen Produkte der Getränkeindustrie ab. GEA
Diessel hat langjährige Erfahrungen mit den beschriebenen Systemen und berät
die Anwender bei der Planung neuer Produktionsstätten oder der Modernisierung
vorhandener Anlagen. Die Auswahl der richtigen Apparate erfolgt im Dialog
zwischen Anlagenbetreiber und Anlagenausrüster.
Der Autor
Gerhard Bohne, Jahrgang
1950. Ausbildung zum Elektromechaniker. Weiterbildung zum staatlich geprüften
Elektrotechniker. Seit 1977 tätig bei Diessel (jetzt GEA Diessel).
Gruppenleiter in der Konstruktion und Projektleiter. Ab 2000 im Vertrieb für
die Angebotserstellung zuständig.
Veröffentlicht in: GETRÄNKEINDUSTRIE
10/2004
Klicken Sie auf das PDF-Symbol zum Herunterladen der
Publikation: