Mischen possible
Welche Anforderungen werden an Ausmischanlagen der Zukunft
gestellt?
Das Grundverfahren Mischen spielt bei der Herstellung einer Vielzahl von
Produkten eine große Rolle. Aufgrund der vom Verbraucher geschätzten neuen
Mixgetränke wie Alcopops und andere (zum Teil kurzlebige) Szenegetränke wird
das Mischen in Zukunft noch wichtiger werden.
Die Mischanlagen der Zukunft
müssen sich anhand von Reproduzierbarkeit und insbesondere an Flexibilität
messen lassen.
Die zur Zeit gängigen Mischverfahren sind das Batchverfahren, die
kontinuierliche Ausmischung (Inline) und das von GEA Diessel entwickelte
Tandemmischverfahren (siehe auch GETRÄNKEINDUSTRIE Ausgabe 04/02).
Batchverfahren
Das Batchverfahren wird in erster Linie zur Herstellung von Fertigsirup
genutzt, welches in Mischtanks gefahren wird. Die Batchanlage von GEA Diessel,
genannt DIMA, zur Mischung von Mehrkomponentenprodukten (flüssig und Feststoff)
ist eine praxiserprobte und kostengünstige Lösung zur Automatisierung des
Sirupraumes. Die DIMA ist angeordnet zwischen Rohstoff-lagerung und den
Mischtanks.
In der DIMA können verschiedenste Komponenten verarbeitet werden. So werden
z. B. Trocken-stoffe manuell in Ansatzbehälter mit Rührwerken gegeben und dort
verflüssigt. Kleinstgebinde können über eine Fassabsaugung geleert und
nachgespült werden, so dass auch von teuren Konzentraten nichts verschwendet
wird. Flüssige Komponenten in Großgebinden können ebenso verarbeitet werden.
Über die Steuerungstechnik sind theoretisch alle erdenklichen Rezepte
mit der DIMA zu verwirklichen: sollen einzelne Komponenten hintereinander,
evtl. getrennt durch ein Zwischen-wasser in die Mischtanks gefahren werden,
wird angewärmtes Vorwasser für ein besseres Löseverhalten benötigt,
verschiedene Rührzeiten oder sonstige rezeptabhängige Bedingungen lassen sich
mit der DIMA problemlos erreichen.
Durch die Konstruktion (nur ein Durchflussmesser für alle Medien) und
Fahrweise (Voll-schlauchprinzip) ist die DIMA von der Mischgenauigkeit her
unübertroffen. Schwankungen des Brixgehaltes von Flüssigzucker können über eine
Brixmessung erfasst und durch die Steuerung ausgeglichen werden. Selbst die
wenigen Liter vom Nachspülen der Kleinstgebinde werden gemessen und später beim
endgültigen Ausmischen in den Mischtanks durch entsprechend verringerte Menge
an Nachwasser korrigiert.
Kontinuierliche
Ausmischung
Die kontinuierliche Ausmischung kommt in erster Linie zum Ausmischen von
Fertiggetränken zum Einsatz. Mit der DICON werden flüssige Komponenten bereits
in der Rohrleitung in einem konstanten Verhältnis miteinander vermischt.
Aufgrund der Verwendung von digital arbeitenden Reglern wird das
Mischungsverhältnis auch bei schwankendem Gesamtdurchfluss konstant gehalten.
Mit der DICON kann direkt auf den Füller gefahren werden.
Die Anlage kann theoretisch beliebig viele flüssige Komponenten miteinander
vermischen, die Grenze ist in erster Linie durch den Aufwand und den Preis der
Anlage bestimmt. Der Aufbau der DICON besteht hauptsächlich aus der
Hauptrohrleitung, in die die zu dosierenden Komponenten eingespeist werden, den
Dosierstrecken mit Zuführpumpen und Entlüftungsgefäßen und natürlich der
Messtechnik, die das genaue Mischen überhaupt erst ermöglicht. Die Qualität der
Durchflussmessgeräte nimmt direkt Einfluss auf die Mischgenauigkeit der DICON.
Für die homogene Vermischung von Produkten mit sehr unterschiedlichen
oder hohen Viskositäten werden Mischer (statisch oder dynamisch) in die Anlage
integriert. Auf einen Mischer kann verzichtet werden, wenn z.B. nachgeschaltete
Pumpen für eine gute Vermischung sorgen.
Tandemmischverfahren
Eine Kombination der beiden Mischverfahren ist das Tandemmischverfahren,
wobei durch Verwendung zweier übereinander liegender Behälter der Platzbedarf
für die Mischtanks ein-gespart wird. Das Fertigsirup wird in der Batchanlage
hergestellt und in den Tandem-Behälter gefahren, der die nachgeschaltete
kontinuierliche Mischanlage speist.
Die Funktion des Tandembehälters ist wie folgt: Nach dem Start der
Batchanlage wird der Mischbehälter (oberer Behälter) mit Vorprodukt gefüllt und
die rezeptabhängige Rührzeit gestartet. Nach Ablauf der Rührzeit fließt das
Vorprodukt per Schwerkraft in den Vorratsbehälter (unterer Behälter). Eine
Sonde im Vorratsbehälter erkennt, dass genug Produkt vorhanden ist und startet
die nachgeschaltete DICON. Während nun die DICON vom Vorratsbehälter gespeist
wird, kann parallel der obere Behälter gereinigt oder mit neuem Produkt gefüllt
werden. Durch diese Verfahrensweise wird beim Produktwechsel enorm viel Zeit
gespart.
Da in der Batchanlage ein Konzentratansatz ohne Zuckerlösung
(die das größte Volumen des fertigen Sirups ausmacht) hergestellt wird, ist
sichergestellt, dass die Entleerungszeit des Vorratsbehälters größer ist, als
die Ansatzzeit und das Füllen des Mischbehälters.

Die Zuckerlösung wird dann in der DICON kontinuierlich hinzugemischt. Den
Anlagen kann nach Bedarf eine Karbonisieranlage nachgeschaltet werden, so dass
die Produktvielfalt um kohlensäurehaltige Getränke erweitert wird.
Batchanlage mit Tandembehälter
Vorteile des Batchverfahrens
- Dosierung von Trockenstoffen möglich
- Verwendung verschiedenster Gebinde möglich (auch Fassabsaugung)
- Herstellen von Kleinstchargen
- Hohe Produktvielfalt
- Hohe Genauigkeit durch Verwenden von nur einem Durchflusszähler für alle
Komponenten.
Vorteile der kontinuierlichen Ausmischung
- Direkte Verarbeitung der Rohprodukte, dadurch schnelle Verfügbarkeit des
Produktes
- Keine großen Mischtanks erforderlich
- Wenig Platzbedarf
- Vollautomatische Arbeitsweise
- Direkte Weiterverarbeitung möglich (z.B. Abfüllung)
- Flexibilität durch schnellen Produktwechsel
Vorteile des Tandemmischverfahrens
- Dosierung von Trockenstoffen möglich
- Verwendung verschiedenster Gebinde möglich (auch Fassabsaugung)
- Leichter und schneller Produktwechsel
- Keine großen Mischtanks erforderlich
- Wenig Platzbedarf
- Geringer Reinigungsaufwand
- Geringste Sirupverluste
- Größtmögliche Produktvielfalt
Produktqualität
Die Produktqualität sollte bei der Herstellung von Lebensmitteln immer an
erster Stelle im Pflichtenheft stehen, um dem Endverbraucher ein einwandfreies
Produkt anbieten zu können.
Die richtige Auswahl der Anlagenkomponenten ist bei Ausmischanlagen sehr
wichtig. Unter Berücksichtigung, dass Messfehler von Durchflussmessgeräten
direkt in das Mischergebnis eingehen, sollte hier nicht am falschen Ende
gespart werden.
Passende Entlüftungsgefäße sorgen dafür, dass keine Luft in die
Durchflussmesser gerät und die Messung dadurch verfälscht würde.
Ebenso wichtig ist die Verwendung digitaler Regler, die ohne bleibende
Regelababweichung arbeiten und somit das Einhalten des Rezeptes sichern.
Andere Qualitätsgrößen, wie zum Beispiel Zuckergehalt, pH-Wert, Viskosität,
Farbe und Trübung können optional ebenfalls gemessen und protokolliert werden.
Durch hinterlegen von Grenzwerten in den Rezepten können produktabhängige
Qualitätskenngrößen gespeichert werden.
Bei Überschreiten dieser Grenzwerte kann ein Alarm ausgelöst oder die
Produktion unterbrochen werden, um geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Als
Grundphilosophie zum Definieren dieser Grenzwerte sollte das Motto „So groß wie
möglich, so klein wie nötig.“ gelten, um die Kosten durch
Produktionsunterbrechungen so gering wie möglich zu halten.
Die
Produktqualität ist auch abhängig von der konstruktiven Ausführung der Anlage.
So sind die Anlagen in jedem Fall unter hygienischen Gesichtspunkten zu bauen,
wie zum Beispiel Vermeiden von Toträumen, Verwenden von frontbündigen O-Ringen
bei Einbauten und die Möglichkeit, dass die Anlage über Schwerkraft weitgehend
leer läuft, damit die Reinigungs-chemikalien sich nach einer CIP-Reinigung
nicht in Sümpfen sammeln und sich dadurch schlecht herausspülen lassen.
Auswahl des richtigen Mischverfahrens
Ziel bei der Planung und Bau einer Mischanlage ist das Herstellen eines
einwandfreien Produkts mit gleich bleibender Reproduzierbarkeit unter
Berücksichtigung der so genannten Life Cycle Costs. So ist unter Zusammenarbeit
mit dem Anlagenbauer und -betreiber in einem iterativen Prozess das richtige
Mischverfahren herauszuarbeiten.
Eine Formel zur Auswahl des Mischverfahrens gibt es leider nicht. So ist sie
vielmehr von vielen Parametern abhängig, z.B.:
- Produktart und -menge
- Produktvielfalt
- Verfügbarer Platz
- Verfügbarkeit und Art der Rohstoffe
- Halb- oder vollautomatisch arbeitende Anlage
- Produktionsführung
Fazit
Die hier aufgeführten Punkte stellen natürlich nur einen Teil aus der
Vielzahl der Überlegungen dar. Es ist aber jetzt schon ersichtlich, dass jede
Mischanlage individuell geplant und ausgelegt werden muss.
Die ständig wachsende Produktvielfalt und steigende Qualitätsansprüche
stellen sowohl für den Anlagenbauer als auch für den Betreiber eine
Herausforderung dar. Mit der heute ver-fügbaren Messtechnik und
leistungsfähiger Steuerung lassen sich jedoch fast alle Produkte herstellen.
Der Autor
Paul Günther, Jahrgang 1967; Ausbildung zum
Werkzeugmacher, Studium an der Fachhoch-schule Hannover zum Dipl.-Ing. (FH)
Verfahrenstechnik. Seit 2002 Projektingenieur bei GEA Diessel GmbH in
Hildesheim, Sparte Food & Beverage.
Veröffentlicht in: GETRÄNKEINDUSTRIE 10/2004
Klicken Sie auf das PDF-Symbol zum Herunterladen der Publikation: