Zeitgemäße Milchdaten-Übermittlung
"An der langen Datenleine mit GPRS"
Während bei der Milcherfassung anfangs nur die Lieferanten- und Fahrerdaten
mit der Annahmemenge verknüpft werden mussten, sind heutzutage eine Fülle von
weiteren Informationen auf dem Fahrzeug zu verwalten (komplette
Annahmesteuerung, Probenahme usw.). Die Menge der anfallenden Tourdaten hat
sich durch Probenahme und Temperaturüberwachung erheblich ausgedehnt. 1995
führte Diessel (heute zu GEA gehörend) das modulare System ZEVODAT-M ein, das nicht nur die
gestiegenen Anforderungen an die Datenerfassung erfüllte, sondern auch flexibel
ist, d. h. nachträglich mit Hard- oder Software erweiterbar ist.
Mit dem Dienst GPRS (General Packed Radio Service) steht heute eine
interessante Kommunikationsvariante für den Datentransfer vom Milchsammelwagen
in die Molkerei zur Verfügung. Die festnetzunabhängige Mobilfunktechnologie
GPRS, basierend auf dem GSM-Netz (Global System for Mobile Communication),
weist im Vergleich zu herkömmlichen Datenfunktions-lösungen erhebliche Vorteile
auf. So erfolgt die Abrechnung bei GPRS nach dem Datenvolumen und nicht nach
vergleichsweise teueren Zeittarifen. Darüber hinaus bleibt die Verbindung
permanent bestehen, d.h. der Anwender ist ähnlich einer Standleitung „always
online“. Langwierige Verbindungsaufbauzeiten entfallen somit. Der Anwender kann
bei der Kommunikation via GPRS eine noch größere Bandbreite für die
Datenübertragung nutzen. So sind beim Download bis zu 36 kb/s möglich, GSM kann
dagegen maximal 9,6 kb/s übertragen.
Der international agierende, niederländische Molkereikonzern CAMPINA gilt
von jeher als Pionier in der Anwendung von innovativen Techniken auf
Milchsammelwagen, um die bereits sehr ausgefeilte Logistikstrategie noch weiter
optimieren zu können. Für CAMPINA entwickelte GEA Diessel in Zusammenarbeit mit
der Firma SAGEM Dr. Neuhaus Telekommunikation ein Zusatzmodul, das über die
serielle Schnittstelle sehr einfach in das bestehende Daten-erfassungsgefüge
der ZEVODAT-M integriert werden
kann.
GPRS-Modul mit RS232-Schnittstelle zum Datenerfassungssystem
Die Umstellung auf ein neues internes Datenverwaltungssystem und die
geänderte Codierung der MCS-Probeflaschen führte bei CAMPINA zur Notwendigkeit
der Überarbeitung von Hard- und Softwarekomponenten der bestehenden ZEVODAT-M. Hierbei konnte
gleichzeitig die Umstellung auf GPRS erfolgen, bei der sich besonders das
modulare CS3 Bauprinzip von GEA Diessel auszahlte. Für die hardwaremäßigen
Änderungen und die Modifizierung der Software konnte die bestehende ZEVODAT-M
problemlos erweitert werden.
GPRS für die Fahrzeuganbindung
Da bei der Kommunikation via GPRS nur das tatsächlich übertragene
Datenvolumen abgerechnet wird, ist es wirtschaftlich möglich, die gesamte
Fahrzeugflotte ähnlich einer Standleitung „always online“ mit einem zentralen
PC zu verbinden. Insbesondere Fahrzeuge, die eine Fremdmolkerei, also keine dem
Datenverbund angeschlossene Molkerei anfahren oder ihre Milch nur in Anhänger
bzw. Containerzüge abtanken, stellten in der Vergangenheit für die
Administration oder für die Fahrer ein Problem dar.
Alle Fahrzeuge sind jetzt jederzeit im bidirektionalen Datenaustausch
erreichbar und können ihre Informationen sofort nach der Milchannahme für die
weitere Datenverarbeitung verschicken.
Alle Ereignisse, wie die eigentliche
Milchannahme, Umpumpvorgänge in Anhänger oder Container, Fahrer- oder
Anhängerwechsel usw. werden umgehend übertragen und ermöglichen so eine
sofortige Reaktion von der Einsatzzentrale aus.
Folgende Merkmale zeichnen die GPRS-Technik aus:
- aktuelle Übersicht über den Zustand der gesamten Flotte
- kontinuierlicher Zugriff zu jedem Fahrzeug
- Echtzeitdatenerfassung aller Ereignisse am Fahrzeug
- parallele Datenübertragung von und zu mehreren Fahrzeugen gleichzeitig
- direkte Benachrichtigung des Servicepersonals möglich
- schnelle Sperrung von auffälligen Lieferanten möglich
Bei CAMPINA war die Reduzierung der Transfer-PC´s, die in den Molkereien im
ganzen Land verteilt standen ein wichtiges Argument. Mit nur einem zentralen
Server konnte die Administration stark vereinfacht werden.
Auf das Thema Datensicherheit wurde bereits beim Projektentwurf die höchste
Priorität gelegt.
Sie ist bei GEA Diessel ein Grundmerkmal des
GPRS-Übertragungskonzepts und beinhaltet:
- „Mobile-Office-Online“-Dienst der KPN-Telekom mit spezieller
Authentifizierung des Benutzers
- gesicherter Datenkanal im Internet durch „IPsec“-Tunnel
- Einsatz einer Firewall und einer speziellen Netzwerkstruktur
- Zusätzliche Modem-Authentifizierung am Server
- Überlagerte Verschlüsselung der Daten vom Modem bis zum Server
- Überlagertes Protokoll zur Datensicherheit auf der Anwendungsebene
Damit sind alle heute zur Verfügung stehenden Techniken genutzt, um Angriffe
von außen (aus dem Internet) und innen (aus dem Intranet) abzuwehren. In der
Praxis hat sich ein spezielles Protokoll bewährt, mit dem keine Daten verloren
gehen können.
Der Autor:
Hermann Hartmann, Dipl.Phys.; bei GEA
Diessel verantwortlich für Mess- und Datentechnik
Veröffentlicht in: Deutsche Milchwirtschaft 12/2004
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