Prozessanalysesysteme:
Auf den feinen Unterschied kommt es an!
“Zuckerwasser, Limonade, Brause …… ist doch alles das gleiche,
oder?”
Natürlich nicht! Rohstoffqualität, besondere Rezeptzusammenstellungen und
unterschiedliche Herstellverfahren machen das Produkt erst zu dem, was der
Konsument wünscht: ein begehrenswertes, anregendes, erfrischendes Getränk. Doch
bevor man dieses Endergebnis vorliegen hat, müssen bei der Herstellung die
einzelnen Prozessschritte streng eingehalten und das komplette Verfahren
qualitativ abgesichert werden.
Die Qualität beginnt selbstverständlich bereits bei den Rohstoffen. Die
Eingangskontrolle für Konzentrate, Essenzen usw. kann eine umfangreichere
Analyse beanspruchen, die meist nur mit Laborinstrumenten durchzuführen ist.
Hierfür ist eine repräsentative Querschnittsprobe des Rohstoffs
empfehlenswert.
Handelt es sich beispielsweise bei dem Rohstoff um Milch, so wird bereits
beim Heraussaugen der Milch auf dem Bauernhof in den Tank des Milchsammelwagens
diese Querschnittsprobe entnommen. Der von GEA Diessel entwickelte
doppelköpfige Probenehmer PS4 nimmt dabei zum einen eine repräsentative Probe
des aktuellen Milchlieferanten (Bauern) und gleichzeitig eine Tourprobe für den
gesamten Tankinhalt. Mit diesem Verfahren ist die lückenlose Kontrolle der
Milch während des Transports bis zur anschließenden Übergabe im
Verarbeitungsbetrieb gewährleistet. Nicht selten wird sogar hier nochmals in
der stationären Annahmeanlage auf die gleiche Weise eine Probe des Tankinhalts
entnommen und somit gegen kontrolliert.
Die Inhaltsstoffe, wie Fett, Protein und Milchzucker sind dabei wichtig für
die Abrechnung und für die entsprechende Planung der optimalen
Weiterverarbeitungskette für z. B. Trinkmilch, Sahne, Käse usw.
Aber noch wichtiger ist die Überprüfung auf eventuelle
gesundheitsgefährdende Stoffe. Die EG-Richtlinie Nr.178/2002 fordert eine
lückenlose Rückverfolgbarkeit für Nahrungsmittel vom Erzeuger bis zum
verkaufsfähigen Endprodukt.
Schon die Einführung der Norm ISO 9000 ließ die Dokumentation der
Produktionsschritte mit Verfahren und Qualitätsnachweis als grundlegende
Firmenphilosophie in der Nahrungsmittelbranche festschreiben. Jeder
Prozessschritt ist detailliert erklärt und an vielen Stellen wird das
Zwischenprodukt mit diversen Kontrolleinrichtungen überwacht.
Die Labortechnik wird dabei durch die Prozessmess- und Analysetechnik sehr
wirkungsvoll unterstützt. Die Verfahren können INLINE, d.h. direkt in der
Produkt führenden Rohrleitung oder ONLINE, d.h. in einer Bypassleitung (aus der
Hauptleitung heraus) installiert werden. Hierdurch entfallen zeitaufwendige
Probenentnahmen und -aufbereitungen, so dass die Ergebnisse quasi sofort
vorliegen und eine Reaktion unmittelbar erfolgen kann.
Größtenteils werden hierbei folgende Messprinzipien an den verschiedensten
Einsatzorten verwendet:
- Leitfähigkeit
- Dichte
- Brechungsindex
- Schallgeschwindigkeit
- Viskosität
- Trübung
- Farbe
- Gelöste Gasanteile CO2 und O2
- pH-Wert
Rohstoffüberwachung
Der für die Herstellung von Erfrischungsgetränken unverzichtbare Rohstoff
Zucker wird trotz der obligatorischen Ausgangskontrolle in den Zuckerfabriken
bei der Annahme in den weiterverarbeitenden Betrieben auf Menge und Qualität
hin überwacht.
Die Bestimmung von Spurenelementen, wie z. B. den Aschegehalt, ist nur mit
Laborgeräten möglich, so dass wiederum eine möglichst automatisierte
Probeentnahme erforderlich ist.
Die prozesstechnische Messung der Konzentration des flüssigen Zuckers (die
Anlieferungsform kann Flüssigzucker sein oder der Kristallzucker wurde in der
Lösestation bereits gelöst) findet direkt in der Produktleitung statt. Hierzu
eignen sich besonders die physikalischen Messgrößen: Dichte, Brechungsindex
oder Schallgeschwindigkeit.
Die erreichbaren Genauigkeiten der einzelnen Verfahren sind vergleichbar und
liegen z. B. beim Flüssigzucker besser als 0,1 Brix.
GEA Diessel besitzt die eichamtliche Zulassung für die Mengenerfassung des
Flüssigzuckers auf Basis eines Massedurchflusszählers und der dazugehörigen
Auswerteeinheit CS3 mit und ohne Konzentrationsmessung.
Mehr und mehr interessant geworden ist die Überwachung des
Invertierungsgrades für den gelösten Zucker. Der Zeitraum zwischen Zuckerlösung
und Verarbeitung sollte möglichst kurz gehalten werden. Der Inversionsgrad gilt
daher als Nachweisparameter für die „Frische“ des Grundstoffs Zucker. Der
Inversionsgrad kann wiederum direkt in der Produktleitung mittels der
Messkombination aus Dichte und Schallgeschwindigkeit (Geräteausführung:
DI-WAVE) detektiert werden, denn die Schallgeschwindigkeit der Zuckerlösung
ändert sich sehr signifikant mit der Aufspaltung von Saccharose in die
Monosaccharide Glucose und Fructose.
Fruchtsirupkonzentrate aus Apfel, Orange usw. werden im Prozess
typischerweise auf ihren „Brixgehalt“ überwacht. Besonders bei faserigen
Ausgangsprodukten empfiehlt sich das optische Verfahren des Refraktometers, bei
dem die „Pulpen“-Anteile und sogar geringfügige Gaseinschlüsse keine
Messwertverfälschung verursachen.
Jedes Fertiggetränk besteht zu annähernd 90% aus Wasser. Die Qualität dieses
Rohstoffs ist somit überaus wichtig und darf keinesfalls vernachlässigt werden.
Brunnenwasser verleiht dem Getränk einen markanten Geschmack. Die spezifische
Mineralienzusammensetzung kann zwar labortechnisch überwacht werden, aber eine
gezielte „Nach-Mineralisierung“ des Wassers ist praktisch nicht möglich. Um
eine gleich bleibende Getränkequalität zu erzielen, wird im umgekehrten Fall
das Produktionswasser häufig demineralisiert.
Weiterhin wichtig für die Haltbarkeit und den Geschmack des Fertiggetränks
ist der Sauerstoffanteil des Produktwassers. GEA Diessel stellt Wasserentgasungsanlagen nach den
unterschiedlichsten Verfahren her. Heiß- oder Kaltentgasung mit oder ohne
CO2-Begasung je nach Anwendung für Saft- oder kohlensäurehaltige
Erfrischungsgetränke oder für Bierprodukte. Für die Überwachung des
Wirkungsgrades von z. B. einer Entgasungsanlage vom Typ: DIOX wird am Ausgang
der Wasserentgasung der Sauerstoffgehalt permanent gemessen und registriert.
Zur Vermeidung von Fehlchargen wird bei Überschreitung des Grenzwertes von z.
B. 0,05 mg/L O2-Gehalt ein Alarm ausgelöst.
Während in der Vergangenheit in den so genannten „Sirupküchen“ die
Fertiggetränke „batch-weise“ angesetzt wurden, kommen heutzutage vermehrt
Gemischregelanlagen mit der
INLINE-Mischtechnik zum Einsatz. Die DICON-Systeme von GEA Diessel, die z. B.
mit den hochgenauen Durchflusszählern der IZM-Baureihe bestückt sind, mischen
weltweit erfolgreich für die verschiedensten Kunden alle möglichen Produkte
nach sehr individuellen Rezepten.
INLINE-Mischanlage Typ „DICON“ inklusive Karbonisierung
Die erzielbare Ausmischgenauigkeit ist dabei allein mit der reinen
Verhältnisregelung bereits sehr hoch. Um bereits frühzeitig Störungen der
relevanten Messgeräte zu erkennen, besteht häufig die zusätzliche Forderung,
auch das ausgemischte Produkt sofort zu analysieren. Wichtig ist, dass das
Produkt vor der Analyse bereits gut homogen vermischt ist, d.h. hinter dem
Mischpunkt befindet sich je nach Konsistenz des Produkts ein statischer oder
sogar dynamischer Mischer. Die Ansprechzeit der Analyseeinheit muss
entsprechend kurz sein. Reine 2-Komponentengemische, wie z. B. Saftgetränke aus
Fruchtsirup und Wasser lassen sich recht einfach mit den bereits o. g.
Messprinzipien direkt im Prozess messen.
Bei Mehrkomponentengemischen (Getränkezusammensetzungen mit Zucker, Essenz,
Konzentrat, Alkohol usw.) muss eventuell eine stufenweise Analyse gewählt
werden oder es müssen mehrere Messverfahren angewendet werden (Dichte,
Schallgeschwindigkeit, CO2-Gehaltsmessung usw.), die erst über spezielle
mathematische Auswerteverfahren zu verwertbaren Messergebnissen führen.

Typischerweise wird im AfG-Bereich das ausgemischte Fertiggetränk vor
dem Füller in einem Puffertank zwischengelagert und dort mit dem von GEA
Diessel gefertigten CO2-Injektor in Kombination mit der Mess- und Regeleinheit
DICAR gezielt aufkarbonisiert. Eine Umpumpleitung am Tank wird dabei zur
ständigen Analyse des Brix- und des CO2-Gehalts genutzt. Die Brixmessung
erfolgt üblicherweise mit einem Dichtemessgerät nach dem
Biegeschwinger-Prinzip, während das DI-TRACO den Partialdruck und -temperatur
der entgasten Flüssigkeitsprobe nach dem „Henry-Dalton´schen“ Gesetz zur
Bestimmung des gelösten CO2-Anteils benutzt. Um die hohen
Genauigkeitsanforderungen des Fertiggetränks erreichen zu können, werden die so
ermittelten Messwerte zur Feinjustage des Produkts in der Regelschleife der
Mischanlage genutzt..
Karbonisierungsstation „DICAR“ für AfG-Produkte mit Analyseeinheit für
Brix und CO2
Grundsätzlich sind die beschriebenen, rein physikalischen Messverfahren
nicht in der Lage, die Inhaltsstoffe „direkt“ - also spezifisch - zu bestimmen.
D. h. bei der Messung von Dichte, Schallgeschwindigkeit usw. handelt es sich
immer nur um „Summenparameter“, aus denen man nur „indirekt“ die Konzentration
herausrechnen kann. Dagegen liefern spektrale Verfahren, wie z. B. die
Infrarotmesstechnik im nahen (NIR) oder mittleren (MIR) Spektralbereich einen
weit höheren Informationsgehalt über die (Molekular)-Struktur des zu
untersuchenden Produkts. So lassen sich beispielsweise die Inhaltsstoffe der
Milch, wie Fett, Eiweiß und Lactose allein mit nur einem MIR-Messsystem
bestimmen.
In der Prozessmesstechnik stehen diese „echten“ Analyseverfahren erst am
Anfang. So kann z. B. der Säuregehalt im Getränk auch nur indirekt über die
Messung der Leitfähigkeit oder des pH-Wertes bestimmt werden.
Für das Mehrkomponentengemisch Bier (Wasser, Extrakt, Alkohol, gelöster
CO2-Gehalt) hat sich bereits vor mehr als 20 Jahren die Schallmesstechnik als
sehr praxisgerechte Methode zur Bestimmung des Stammwürzegehaltes
herauskristallisiert. Verantwortlich hierfür ist das besondere Verhalten des
Schalls während der Vergärung von Zucker zu Alkohol. Während die Dichte durch
den entstehenden Alkohol stark abnimmt, ändert sich die Schallgeschwindigkeit
dagegen nur sehr gering. Die Stammwürze lässt sich somit sehr einfach und mit
guter Genauigkeit berechnen. Der Messkopf ist verschleiß- und wartungsfrei und
besteht komplett aus Edelstahl, so dass der robuste Aufbau alle Merkmale eines
idealen Prozessmesssystems besitzt.
Das einfache und wirksame Messgerät wird direkt in die Produktleitung über
ein VARIVENT Gehäuse eingebaut, so dass die einwandfreien hygienischen
Verhältnisse zu keinem bakteriologischen Risiko für das Getränk führen.
Das von GEA Diessel entwickelte und gefertigte Messsystem DI-Check bietet alle für die
Prozesssteuerung erforderlichen Signale. Die integrierte Temperaturmessung
liefert einen Messwert, der innerhalb einer Spanne von etwa 8 – 10 Grad
kompensiert ist. Sollen die geringfügigen Einflüsse des Verhältnisses von
Alkohol zu Extrakt oder des gelösten CO2-Gehaltes auch noch ausgeglichen
werden, so kann das Messsystem mit einer Dichte- und CO2-Messung erweitert
werden (Geräteausführung DI-Wave).
In kontinuierlichen Bierausmischanlagen („Stammwürzeoptimierungsanlagen“)
dienen diese Messsignale wieder der Feinjustierung des Fertiggetränks bezüglich
Stammwürze oder Alkohol.
Produktüberwachung und Qualitätskontrolle
Normalerweise ist die Abfüllung der letzte Produktionsschritt.
„Eigentlich kann jetzt nichts mehr passieren!“
Aber z. B. durch eine
Fehlschaltung von Ventilen kann entweder ein völlig falsches Produkt in die
Flasche, Dose o. dgl. gefüllt werden oder Leckagen können das Getränk doch noch
auf diesem letzten Weg verfälschen, denn der Wert des Produktes ist jetzt am
höchsten!
Regressforderungen und ein enormer Imageschaden stehen auf dem Spiel. Eine
Produkt-überwachung bringt hier Sicherheit und liefert mit der lückenlosen
Dokumentation gleichzeitig den erforderlichen Nachweis für die betriebliche
Qualitätssicherung.
Im einfachsten Fall kommen die bereits beschriebenen
Messsysteme nochmals zum Einsatz. Eine Kombination z. B. mit einem
Durchflusszähler IZM liefert über die Zeitaufzeichnung hinaus auch noch die
Mengenaufzeichnung.
Die GEA Diessel Gerätetypen DI-Liquiz oder DI-Lab erstellen für jede Charge
ein Batchprotokoll, das einfach ausgedruckt werden kann oder als Datenprotokoll
z. B. per Profibus-Schnittstelle zu einem PC transferiert wird. Die
Visualisierung aller Messgrößen auf einem PC ist selbst-verständlich zusätzlich
möglich.
Die integrierbare Gebindezählung ermöglicht den aktuellen Vergleich zwischen
Soll- und Istmengen und gibt somit „online“ Aufschluss über die Effektivität
der Füllmaschine. Verlustmengen werden frühzeitige erkannt, so dass zeitnahe
Korrekturmaßnahmen möglich sind.
Während das kombinierte Messsystem DI-Liquiz speziell für die Mengen- und Stammwürzebestimmung im
Bier konzipiert ist, bietet das modulare System DI-Lab die Möglichkeit, diverse Produktionsparameter für die
kontinuierliche Überwachung und Dokumentation zu adaptieren. Messgeräte für
Leitfähigkeit, Farbe, Trübung, Konzentrationen usw. können auch noch
nachträglich an das Messdatenerfassungssystem angeschlossen werden.
Automatisierte Reinigung
Die Effektivität der Reinigung lässt sich über die Prozessparameter
Durchfluss, Temperatur, Konzentration der Reinigungslösung und Dauer der
Reinigung überwachen. Auch diese Daten sind fest eingebunden z. B. in die DICIP Anlagen von GEA Diessel.
Zusammenfassung
Die INLINE- bzw. ONLINE-Prozessanalysetechnik unterstützt an den
maßgeblichen Stellen wirkungsvoll die Qualität und Effektivität des
Herstellungsprozesses für Getränke. Wenn auch die typischen physikalischen
Messtechniken keine sehr hohe Spezifität besitzen, haben sie sich auf Grund der
einfachen Installations- und Kalibrierungsbedingungen für die bekannten
Anwendungen, sowie wegen der weitgehenden Verschleiß- und Wartungsfreiheit, in
vielen Betrieben hervorragend bewährt. Die Steigerung der Effektivität durch z.
B. optimierten Rohstoffeinsatz führt häufig zu einer raschen Amortisation der
Investitionskosten. GEA Diessel ist sowohl Lieferant von Einzelgeräten,
kombinierten Messsystemen, sowie von kompletten Produktionslinien und -anlagen.
Der Autor:
Hermann Hartmann, Dipl.Phys.; bei GEA
Diessel verantwortlich für Mess- und Datentechnik
Veröffentlicht in: GETRÄNKE! Technologie &
Marketing
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