In-line Mischung von flüssigen Mehrkomponentenprodukten
In-line Mischtechnik liefert sichere Ergebnisse
Die In-line Mischung von Flüssigkeiten bietet eine Anzahl gravierender
Vorteile gegenüber der traditionellen Chargenmischung insbesondere wenn nach
dem Mischprozess eine direkte Verarbeitung (z. B. Abfüllung) erfolgen kann.
Durch die Kombination aus hochgenauen Messgeräten, digital arbeitenden Reglern
und hochwertigen Regelorganen sowie ausgefeilten Überwachungen ist die In-line
Mischung eine ideale Methode zur Herstellung von Mehrkomponentenprodukten,
sofern eine Mindestansatzgröße gegeben ist. Da die manuelle Analyse der
abgefüllten Produkte nur stichprobenartig erfolgen kann, ist die stetige
automatische Überwachung der Anlage mittels On-line Prozessanalysegeräten
anzuraten. Es muss also ein Höchstmaß an Sicherheit berücksichtigt werden,
vornehmlich bei hohen Ansprüchen an die Qualität sowie bei der Verarbeitung von
teuren Produkten, bei denen Produktverluste unbedingt vermieden werden müssen.
Verfahren
Bei der In-line Mischung werden flüssige Komponenten kontinuierlich bereits
in der Rohrleitung auch bei wechselndem Gesamtdurchfluss in einem konstanten
Verhältnis gemischt. Sie ermöglicht eine genaue Mischung von nahezu beliebig
vielen Komponenten. Lediglich der Aufwand und der Preis setzen hier Grenzen
Überwiegend werden bei der Getränkeproduktion die großen Komponenten, z. B.
Wasser, Zuckerlösung und Fertigsirup, durch externe Pumpen der Anlage
zugefördert. Um Produktverluste gerade bei teuren Konzentraten und Grundstoffen
zu minimieren, sollten Container bzw. Behälter dicht an der Anlage positioniert
sein. Der Zufluss zur Anlage erfolgt bevorzugt mit freiem Gefälle. Die
Förderung in die Mischleitung erfolgt nach der Entlüftung mittels Kreiselpumpen
bzw. Verdrängerpumpen, die auf der Anlage integriert sind.
Bei allen Komponenten mit der Gefahr von Lufteinschlägen sind unbedingt
Entlüftungsgefäße erforderlich. Sie haben folgende Funktionen:
- Abscheidung von ggf. mitgeführter Luft,
- automatische Umschaltung in der Produktzuführung, wenn ein Behälter bzw.
ein Container leer wird,
- Meldung von Produktmangel und Stopp der Anlage,
- regelmäßige automatische Prüfung der Durchflussmesser im
Konzentrat-/Grundstoffbereich.
Alle Mengen der Flüssigkeitsströme werden laufend durch die Durchflussmesser
erfasst und an die Anlagen-Steuerung und -Regelung weitergegeben. Die Erfassung
sollte über die Impulsausgabe der Durchflussmesser (also digital) erfolgen. Der
Vorteil besteht darin, dass diese Ausgänge beim Lieferanten und beim Kunden
präziser geprüft werden können als die Analogausgänge der gleichen Geräte.
Damit ist auch die Nachkalibrierung vor Ort einfacher und genauer. Der Regler
vergleicht die Messwerte mit den vorgegebenen Mischungsverhältnissen zwischen
den einzelnen Komponenten und steuert die Regelorgane so, dass die Vorgabewerte
genau eingehalten werden.
Durch richtige Auswahl der Durchflussmesser lassen sich die verschiedensten
Verhältnisbereiche realisieren. Durchflüsse von 2 l/h bis 120.000 l/h je
Komponente sind in der Getränkeindustrie realistisch und möglich. Extreme
Verhältnisbereiche können abgedeckt werden
Vorteile der In-line Mischung
Die In-line Mischung bietet dem Anwender eine große Anzahl von Vorteilen:
- direkte Verarbeitung der Rohprodukte, dadurch
- schnelle Verfügbarkeit des Produkts,
- geringe Produktbestände in der Anlage,
- keine großen Mischtanks erforderlich, dadurch
- wenig Platzbedarf, Realisierung auf engstem Raum,
- Einsparung von umbautem Raum,
- schnelle Reaktion auf Änderungen des Produktionsplans möglich.
Die Investition allein für die In-line Mischanlage ist in der
Regel höher als für eine Chargenmischanlage, doch unter Berücksichtigung aller
o. g. Punkte kehrt sich das Verhältnis meist um.
Teilansicht aus einer In-line Mischanlage für 9 Komponenten, im
Vordergrund die Entlüftungs- und Prüfgefäße.
Komponenten
Wichtigste Voraussetzung für eine hochgenaue Mischung ist die Verwendung von
exakten und zuverlässigen Durchflussmessern. Die Toleranz des Durchflussmessers
geht direkt in das Mischergebnis ein. Bei hochwertigen Produkten darf deshalb
hier kein Kompromiss eingegangen werden. Messtoleranzen von 0,1% bis 0,25% vom
Messwert im Durchflussbereich von 10 - 100 % sind mit sehr guten
Durchflussmessern zu erreichen. Die Reproduzierbarkeit liegt etwa um Faktor 2
niedriger.
Je nach Produkteigenschaften und Durchflüssen wird das geeignete
Gerät ausgewählt. Weiterhin ist die Entscheidung für Volumen- oder
Masse-Durchflussmesser abhängig vom Verfahren (basieren Rezepte z.B. auf
Volumen oder Masse?) und ggf. von erforderlichen Zusatzfunktionen (z.B.
Dichtemessung).
Detailansicht einer Anlage für 8 Komp. mit
Masse-Durchflussmesser
Die Regelventile finden Anwendung, wenn die Förderung des Produkts mittels
Kreiselpumpe oder einer Druckvorlage im Vorratstank erfolgt. Die Regelventile
sind mit pneumatischem Antrieb und I/P-Stellungsregler ausgerüstet. Durch eine
änderbare Querschnittsveränderung im Regelventil erreicht man die Einstellung
des Durchflusses entsprechend der Reglervorgabe.
Positive Pumpen mit
Frequenzumformer werden vornehmlich eingesetzt bei viskosen Produkten und bei
Produkten mit Fruchtanteilen, wenn besonders schonende Förderung erforderlich
ist. Da bei diesen Pumpen eine Drosselung des Förderstroms nicht erlaubt ist,
wird mit Hilfe des Reglers über einen Frequenzumformer die Drehzahl der Pumpe
so verändert, dass das gewünschte Mischungsverhältnis erreicht ist. In allen
Komponenten muss sichergestellt werden, dass kein Rückfluss auftreten kann. Für
die homogene Vermischung von Produkten mit sehr unterschiedlichen oder hohen
Viskositäten werden dynamische Mischer der Anlage nachgeschaltet. Der
dynamische Mischer ist ein motorgetriebenes Rührorgan, eingebaut in einer
Rohrerweiterung. Bei niedrigen Viskositäten wird ein statischer Mischer
verwendet, in dem durch Umlenkbleche große Turbulenzen in der Flüssigkeit
erzeugt werden.
Auf einen Mischer kann verzichtet werden, wenn nachgeschaltete Aggregate
(Pumpe, Erhitzer, usw.) oder eine lange Rohrleitung eine gute Vermischung
sicherstellen.
Der komplette Aufbau der Anlage auf einen Grundrahmen
empfiehlt sich, denn er reduziert wesentlich den Aufwand bei der örtlichen
Montage. Auch der Schaltschrank mit den wichtigsten Mess-, Steuer- und
Regeleinrichtungen sollte komplett verdrahtet bereits aufgebaut sein. Dies
verkürzt die Inbetriebnahmezeit und das Risiko von Produktverlusten, da die
meisten Funktionen bereits im Herstellerwerk getestet werden können.
Anlagensteuerung und -regelung
Eine weitere wichtige Voraussetzung für hohe Produktqualität ist ein
hochwertiger Regler. Ein digitaler Regler, speziell auf In-line Mischanlagen
abgestimmt, und bietet folgende Vorteile:
- Eingänge für Mengenimpulse ermöglichen eine impulsgenaue Regelung ohne
zusätzliche Fehler durch Signalumwandlung,
- kurzfristige Fehler werden komplett ausgeregelt, d.h. eine Abweichung in
positiver Richtung, z. B. hervorgerufen durch eine plötzliche Druckerhöhung in
einer Komponente, wird in kurzer Zeit durch eine Korrektur in negativer
Richtung total kompensiert.
Die o. g. Punkte sind wesentliche Entscheidungskriterien zum Einsatz eines
digitalen Reglers insbesondere bei hohen Ansprüchen an gleich bleibende
Qualität und beim Mischen von teuren Produkten.
Die Speicherung von Rezepten ist inzwischen selbstverständlich. Darin
enthalten sein sollten aber nicht nur die Mischungsverhältnisse, sondern auch
Sollwerte für die Analyse, Grenzwerte für Überwachungen und ggf. Regelparameter
(wichtig bei sehr unterschiedlichen Mischungsverhältnissen), um variabel auf
alle Änderungen reagieren zu können. Die Eingabe von Mengen je „Einheit“ und
Komponente in den Rezeptspeicher vereinfacht die Bedienung und nachträgliche
Prüfung der Rezepte. Aus diesen Daten errechnet sich die Steuerung automatisch
die Mischungsverhältnisse.
Neben der eigentlichen Reglerfunktion für die Verhältnisregelung und den
Steuerfunktionen hat die Anlagensteuerung bei Bedarf noch folgende Aufgaben:
- Automatische Korrektur des Mischungsverhältnisses zwischen Zuckerlösung und
Wasser bei schwankendem Brix in der Zuckerlösung,
- Laufende Korrekturberechnungen z.B. zur Temperatur-Kompensation bei der
Mischung von Komponenten mit großem Temperatur-Ausdehnungskoeffizienten (nicht
erforderlich bei Verwendung von Masse-Durchflussmessern),
- Berechnung der Mischungsverhältnisse aus produktspezifischen Werten,
- Überwachung der Anlage (siehe unten),
- Protokollierung des Betriebsablaufes und der Prozessdaten,
- Verriegelung von Sollwerten, Regelparametern usw. vor unberechtigtem
Zugriff,
- Steuerung für das Vorschieben und Ausschieben des Produkts, so verlustarm
wie möglich, sowie für das Reinigen der Gesamtanlage oder von
Teilbereichen.
Überwachungen
Auf hohe Sicherheit bei der Herstellung der Produkte muss besonderer Wert
gelegt werden. Folgende Maßnahmen werden empfohlen:
Entlüftung: Entlüftungsgefäße verhindern, dass Lufteinschläge im
Produkt bleiben, mitgemessen werden und so zu Fehldosierungen führen.
Produktmangel: Sonden in den Entlüftungsgefäßen stoppen die Förderung
bei Produktmangel. Der Ausfall einer Sonde darf nicht zu Fehlfunktionen führen
und muss von der Steuerung erkannt werden.
Rohstoffüberwachung: Mittels Leitfähigkeits- oder Dichtemessung
können die Konzentrate bzw. Grundstoffe auf Verwechslungen und/oder Einhaltung
ihrer Spezifikation geprüft werden. Insbesondere bei wechselnden Produkten oder
Container-Anschlüssen ist diese Maßnahme wichtig.
Funktion der Durchflussmesser: Durchflussgrenzwerte werden für jede
Komponente gespeichert. Sobald eine fehlerhafte Funktion vorliegt (z. B.
Ausfall eines Durchflussmessers, ein Regelventil öffnet nicht oder öffnet
voll), schaltet die Anlage ab.
Überwachung der Regelabweichung: Regelabweichungen müssen innerhalb
kürzester Zeit ausgeglichen sein. Sofern das aus irgend einem Grund nicht
möglich ist (Regelventil oder Pumpe defekt, Wasserdruck zu hoch usw.), geht die
Anlage in Störung.
Prüfgefäß: In regelmäßigen Abständen werden die Durchflussmesser
automatisch auf Genauigkeit geprüft. Dazu wird der bekannte Inhalt im
Entlüftungs- und Prüfgefäß mit der gemessenen Menge verglichen. Zu große
Abweichungen führen zur Störungsmeldung.
Grenzwertüberwachung: Messwerte und Stellgrößen müssen innerhalb
vorgegebener Grenzen liegen.
Rührwerks-Überwachung: Rührwerke müssen bereits vor dem Start des
Mischvorgangs geraume Zeit angesteuert sein. Auch Produkte in den
Entlüftungsgefäßen müssen vor der Produktion gemischt werden, um auch nach
längerem Stillstand ein homogenes Gemisch zu erzeugen.
Funktionskontrolle: Ventile und Pumpen.
Kontroll- und Analysegeräte
Zur Qualitätskontrolle empfiehlt sich eine Analyse des gemischten Produkts.
Sie kann in einem der Mischanlage nachgeschalteten Puffertank oder in der
Rohrleitung vorgenommen werden. Voraussetzung für ihren Einsatz ist eine
bereits gut erfolgte innige Vermischung der Komponenten. Je nach Produkt werden
eingesetzt:
Brixmessung: Sie erfolgt mittels Dichte- oder Refraktometer-Messung
für die Kontrolle von zuckerhaltigen Getränken. Fehldosierungen von
Zuckerlösung und Wasser werden schon bei kleinen Abweichungen erkannt. Aber
auch Fehldosierungen von Konzentraten mit höherer Dichte führen zu Änderungen
des Messwerts.
Konzentrations-Messung: Für Light-Getränke können beide o.g.
Messprinzipien verwendet werden. Da sich die Dichte oder der Refraktionsindex
nicht wesentlich von Wasser unterscheidet, ist eine getränkespezifische
Kalibrierung für jedes Getränk notwendig und wird im Rezept gespeichert.
Abweichungen vom Sollwert größer 1,5 - 2% werden signalisiert.
Leitfähigkeitsmessung: Sie dient der Kontrolle des Säuregehalts.
CO2-Messung: Für karbonisierte Erfrischungsgetränke, Bier und
Bier-Mischgetränke z.B. mittels DI-Traco-Gerät mit einer Messtoleranz <0,1
g/l.
Alkohol- oder Stammwürze-Messung: Für Bier-Mischgetränke und Alkopops
z.B. mittels DI-Check-Ultraschallmessgerät, ggf. kombiniert mit einer
Dichtemessung.
Weitere physikalische Größen: pH-Wert, Viskosität, Trübung und
Farbe werden zur Überprüfung des Produkts verwendet.
Die Messwerte werden genutzt für Alarmmeldungen und zum Stopp der Anlage bei
zu großen Toleranzen oder ggf. für Korrekturen des Mischungsverhältnisses.
Zusammenfassung
Durch die Verbesserung der Messtechnik und Erhöhung der Zuverlässigkeit
insbesondere der Analyse-Geräte ist die In-line Mischtechnik auch für komplexe
Aufgaben bestens geeignet und liefert bei Berücksichtigung der erwähnten
Sicherheitsfunktionen hervorragende und sichere Ergebnisse. Auch aus
finanzieller Sicht ist eine In-line Mischanlage durchaus lohnend, wenn die
sonst ggf. nötig werdenden Investitionen für Gebäude und Tanks mit betrachtet
werden. Schnelle Verfügbarkeit des Produkts und kurze Reaktionszeiten auf
Produktionsplan-Änderungen sind weitere wichtige Entscheidungskriterien für
diese Mischtechnik.
In-line Mischanlagen werden erfolgreich verwendet bei der Herstellung vieler
flüssiger Mehrkomponentenprodukte wie Erfrischungsgetränke, Säfte, Spirituosen,
Biermischgetränke, aber auch für Produkte wie flüssige Reiniger, Shampoos,
Waschmittel usw.
Der Autor:
Gerhard Krüger, geb. 1944 in Hameln; 1967 bis
1971 Studium der Elektrotechnik in Hannover; 1971 bis 1975 Vertriebsingenieur
bei Siemens im Bereich Mess- und Prozesstechnik; seit 1975 Projektingenieur in
Konstruktion und Vertrieb im Bereich Nahrungsmittel und Getränke bei GEA
Diessel GmbH in Hildesheim.
Veröffentlicht in: GETRÄNKEINDUSTRIE 8/2005
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