Mischen – Mission possible
Vormontierte Komplettanlagen für die Herstellung von Alkohol- und
Biermischgetränken
Alkoholische Mischgetränke, meist auf Spirituosen- oder Bierbasis, liegen
noch immer im Trend.
Für Produktionsanlagen bedeuten diese Getränke, dass
eine Vielzahl von Komponenten gemischt werden müssen, bis das Produkt abgefüllt
werden kann. Um Kosten zu senken,
kommen bei Neuanlagen oft vormontierte
und geprüfte Komponenten, so genannte Units,
zum Einsatz. Zudem bieten sie
den Vorteil, den Montageaufwand genau kalkulieren zu können.
Grundlage für die Herstellung eines Alkohol-Mischgetränkes ist die
Verwendung einer Basis-Spirituose. Als Spirituose (lat. Spiritus: Geist) werden
alkoholische Getränke bezeichnet, die destillierten Alkohol enthalten,
üblicherweise mit mehr als 20 Volumenprozent Anteil reinem Alkohol. Spirituosen
werden entweder durch Destillation eines vergorenen Saftes, Maische oder
Trester hergestellt oder durch die Mischung von Neutralalkohol mit Wasser und
anderen Rezeptbestandteilen.
Spirituosen unterteilen sich in zwei Hauptgruppen:
- Branntwein aus Wein oder Weinbrand.
- Liköre, eine Mischung aus Alkohol, Wasser, Zucker und anderen
Zutaten.
Über die Spirituose wacht das „Branntweinmonopol“. Branntweinmonopol ist das
vom Staat mit der Absicht der Erzielung von Einnahmen oder aus agrarpolitischen
Gründen beanspruchte ausschließliche Recht, Branntwein herzustellen und/oder zu
verkaufen. Der von der Monopol-verwaltung gehandelte Branntwein unterliegt der
Branntweinsteuer. Ähnliche Begriffe für Branntwein sind Alkohol, Ethanol,
Primasprit oder Weingeist.
Für die Messung des produzierten Alkohol-Wassergemisches (Branntwein) haben
unter anderem mechanische Weingeistzähler die Zulassung der
Bundesmonopolverwaltung für Branntwein. Eingeschränkt durch den mechanischen
Aufbau der Messgeräte ist nur ein geringer Durchfluss pro Stunde zu erzielen.
Bedingt durch die EU-Förderung für die Herstellung von Bio-Ethanol und
Verwendung neuer Prozesstechniken, müssen heute erhebliche höhere Durchflüsse
pro Stunde gemessen werden.
Für die Messung von Alkohol-Wasser-Mischungen hat GEA-Diessel die Zulassung
einer Alkohol-Masse-Messanlage von der Bundesmonopolverwaltung für Branntwein
erhalten. Die jeweils einzeln zugelassenen Messanlagen können alle gewünschten
Messbereiche abdecken.
Die komplett auf einem Grundrahmen aufgebauten zugelassenen Messanlagen
bestehen im wesentlichem aus einem
- Massedurchflussmesser,
- Messwertumformer,
- Dichtemesssystem,
- Prozessrechner,
- Drucker,
- Entlüftungssystem.
Diese kompletten Units werden anschlussfertig und vorgeprüft geliefert. Die
erforderliche Montage und Inbetriebnahme ist somit leicht zu kalkulieren. Die
Anlagen können auf Wunsch mit doppelter Verschlusssicherheit geliefert werden.
Zusätzliche Einhausungen sind nicht notwendig.
Annahme und Verschneidung von versteuertem Branntwein
Für viele alkoholverarbeitende Betriebe stellt die Annahme und die Lagerung
des Branntweins ein technisches Problem dar. Auf der einen Seite ist der
Betrieb aus wirtschaftlichen Gründen an der Anlieferung des Branntweines mit
großem Volumen interessiert. Die Einlagerung von ca. 96,5 volumenprozentigem
Branntwein bedarf aber einer besonderen Begutachtung durch die Gewerbeaufsicht
und die Feuerwehr, in Verbindung mit den geforderten Maßnahmen des
Explosionsschutzes.
Eine erhebliche Vereinfachung ergibt sich durch das Verschneiden des
Branntweines im Annahmemoment mit Getränkewasser. Eine gewünschte
voreingestellte niedrige Alkohol-konzentration im fertigen
Alkohol-Wassergemisch vereinfacht die Lagerung erheblich.
Die
Genauigkeit der Alkoholmessung im ausgemischten Produkt ergibt durch den
Einsatz entsprechender Analysentechnik ein Ergebnis besser 0,1 Volumenprozent
Alkohol. Die Verschneidanlage löst dieses Problem auf engstem Raum. Vier
Quadratmeter Platzbedarf befreien von vielen Sorgen. Die Einbindung in ein
übergeordnetes Rechnersystem zur lückenlosen innerbetrieblichen Bilanzierung
ist ein wichtiger Bestandteil des Systems.
Die Messanlage zur Annahme von Alkohol und direkten Verschneidung mit
Wasser
vereinfacht die Lagerung, da keine speziellen Feuer- und
Explosionsschutzmaßnahmen
nötig werden
Chargenmischanlage
Bedingt durch eine große Anzahl unterschiedlicher Rezepte und dauernder
Anpassungen an die Anforderungen des Marktes, müssen die unterschiedlichsten
Liköre in kurzer Zeit und mit gleich bleibender Qualität produziert werden. Die
Verwendung eines Messsystems für alle Komponenten garantiert eine hohe
Mischgenauigkeit. Fehler während eines rezeptgesteuerten
Batch-Ansatzes
sind praktisch ausgeschlossen. Eine Prüf- und Entlüftungslaterne überprüft
automatisch und rechnergesteuert die Messgenauigkeit der eingesetzten
Messtechnik.
Der Aufbau der Chargenmischanlage erlaubt eine erweiterbare Anbindung von bis
zu zwölf Komponenten ohne zusätzlichen Aufwand. Eine entsprechende
Rohrleitungsstrecke ist im Grundausbau mit vorgesehen. Im Grundausbau ist die
Anlage mit fünf Komponentenanschlüssen ausgerüstet.
Rezeptbestandteile wie Alkohol, Wasser, Flüssigzucker, Komponente 1 und
Komponente 2 sind überwiegend in allen Rezepten vorhanden. Die
Komponentenanschlüsse 1 und 2 können wahlweise bestückt werden. Die Anbindung
eines externen Lösebehälters mit kontrollierter Wasserdosage und
Rührwerksteuerung kann Bestandteil des Rezeptes sein.
Durch den Betrieb der Chargenmischanlage im so genannten
Vollschlauchprinzip, (vor dem Start und nach Ende der Dosage ist die Anlage mit
Getränkewasser gefüllt) kann ein unmittelbarer Produktwechsel ohne
Zwischenreinigung erfolgen. Die Rezeptsteuerung gibt die Reihenfolge der
Dosierung der Komponenten vor. Üblicherweise wird Flüssigzucker als vorletzte
Komponente dosiert, da andere Bestandteile des Rezeptes durch die Anhaftung am
Zucker mit ausgetragen werden. Zuletzt wird rezeptgesteuert Getränkewasser
dosiert.
Die Chargenmischanlage ist somit bis zum Mischtank mit
Getränkewasser gefüllt. Ein sofortiger Produktwechsel ist möglich. Nach dem
Dosieren von besonders aromatischen Komponenten, wie zum Beispiel Anis, ist
eine CIP-Reinigung erforderlich.
Chargenmischanlage DIMA-S und Tandembehälter
Machbarkeitsstudie als Projektierungshilfe
Der entscheidende Bereich für eine neue Abfüllung ist der Misch und
Ansatzbereich. Die Frage, ob eine kontinuierliche oder eine Chargenanlage im
Mischbereich installiert wird, muss vorab an Hand einer Machbarkeitsstudie
geklärt werden. Diese Studie soll in erster Linie eventuelle Widersprüche
zwischen dem Projektziel und bestehenden Erkenntnissen aufdecken. Vielfach
zeigt die Machbarkeitsstudie bereits Lösungswege oder neue Möglichkeiten für
Produkte bzw. Projekte auf.
Entscheidungskriterien für die Installation einer kontinuierlichen Anlage
können unter anderem sein:
- geringer Platzbedarf der Anlage, somit Realisierung auf engstem Raum;
- keine Mischtankgruppen erforderlich;
- Energieeinsparungen bei der Planung der CIP-Anlage;
- ständige Verfügbarkeit von Konzentraten mit gleich bleibender Qualität in
entsprechenden Containergrößen;
- hohes Fertigungsvolumen bis 50 000 l/h;
- Produktion des gleichen Produktes über längere Zeit;
- geringer Personalbedarf;
- hochgenau durch Verwendung präziser Durchflussmessgeräte;
- vorzügliche Regelung durch impulsgenaue Digitalregler;
- Überwachung mit Analysensystemen (Brix, CO2, Leitfähigkeit, Farbe);
- Automatische Korrektur;
- Bilanzierung der verschiedenen Komponenten;
- Fernbedienung aller Anlagenfunktionen;
- Anschlussfähiges, kompaktes, werkstattgeprüftes Aggregat;
- aufgebaut auf einem Grundrahmen;
- geringer Montage und Inbetriebnahmeaufwand
Funktion einer kontinuierlichen Mischanlage
Die Förderung der Komponenten erfolgt über Kreisel- oder Kreiskolbenpumpen.
Alle Massen oder Volumenströme werden laufend von den Durchflussmessgeräten
erfasst und an die Anlagensteuerung zur Regelung weitergeleitet. Die Steuerung
vergleicht die Messwerte mit den vorgegebenen Verhältnissen zwischen den
einzelnen Komponenten und steuert die Regelorgane so, dass die Vorgabewerte
exakt eingehalten werden. Auf hohe Sicherheit bei der Herstellung der Produkte
wird besonderer Wert gelegt. Zur Produktionsüberwachung werden unterschiedliche
Prüfverfahren eingesetzt.
Mittels Leitfähigkeits-, Farb- oder Dichtemessungen können die Konzentrate
bzw. die Grundstoffe auf Verwechslung und/oder Einhaltung ihrer Spezifikation
geprüft werden.
Insbesondere bei wechselnden Produkten oder dem Anschluss von
unterschiedlichen Containern ist diese Maßnahme wichtig. Eine nachgeschaltete
Karbonisierung wird im Bedarfsfall die Imprägnierung des Getränkes übernehmen.
Die Herstellung eines Biermischgetränkes
Neues Denken und eine erhöhte Nachfrage der Konsumenten nach einem
erfrischenden schwach alkoholischen Getränk erfordern neben den klassischen
Biermischgetränken wie Radler und Berliner Weiße neue Biermischgetränke in den
unterschiedlichsten Variationen. Ähnlich der Herstellung eines Likörs mit
Alkohol, ist die Grundlage und der wichtigste Bestandteil des
Biermischgetränkes das Bier, gebraut nach dem Deutschen Reinheitsgebot.
Die Lösung der zu verwendenden Ausmischtechnik kann zwischen der Batch- und
der kontinuierlichen Ausmischung liegen
Ausmischung im Tandemverfahren
Die Vorzüge des schnellen Konzentratansatzes des Batch-Verfahrens und der
hohen Ausmischleistung der kontinuierlichen Anlage werden über das
Tandemverfahren miteinander verknüpft. Zwei übereinander angeordnete Behälter
übernehmen die Funktion des Misch- und des Vorratbehälters. Eine Mischanlage
mit einer Leistung von ca. 2 500 l/h versorgt den oberen Behälter mit den
unterschiedlichen Konzentraten. Getränkewasser wird mit kleinem Volumen zur
Spülung der Leitung zwischen Mischer und Tandembehälter nachgeschoben.
Ein Rührwerk sorgt für die gute Vermischung der Konzentrate im oberen
Tandembehälter. Nach Ablauf der Rührzeit wird der Weg in den unteren Behälter
geöffnet. Im freien Gefälle gelangt das Konzentrat in den unteren Behälter und
steht dort einer nachgeschalteten kontinuierlichen Anlage zur Verfügung, in der
Bier mit Getränkewasser, Zucker und Konzentraten vermischt wird. Sofort wird
ein neuer Ansatz mit gleichen Konzentraten im oberen Behälter vorbereitet.
Die Entnahme aus dem unteren Tandembehälter dauert grundsätzlich erheblich
länger, als der Ansatz des neuen Konzentrates im oberen. Eine kontinuierliche
Arbeitsweise des Gesamtsystems ist somit gewährleistet. Zur Nachimprägnierung
wird eine Karbonisierung in die Anlage eingebunden.
Zusammenfassung
Durch die Verbesserung der Messtechnik sowie der Erhöhung der
Zuverlässigkeit der Analysentechnik ist die kontinuierliche Ausmischung für
Anlagen mit hoher Leistung bestens geeignet. Bauliche Voraussetzungen sowie die
Häufigkeit des Produktwechsels in Verbindung mit dem Ansatz von Trockenstoffen
rechtfertigen den Einsatz aller beschriebenen Systeme. Die Machbarkeitsanalyse
wird diese Frage beantworten.
Der Autor:
Wolfgang Zenker, Jahrgang 1952. Studium an
der Fachschule für Elektrotechnik Hildesheim zum staatlich geprüften
Elektrotechniker. Seit 1987 Key Account Manager Erfrischungsgetränke-und
Spirituosenindustrie bei Diessel in der Sparte Food & Beverage Systems
Veröffentlicht in: GETRÄNKEINDUSTRIE 9/2005
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