Mischanlagen:
Wohlgeschmack nach Rezeptur
Aktuelle Technologien für die Ausmischung von Getränken
Die Herstellung von „Near Water Products“ stellt hohe Anforderungen an die
Dosiertechnik. Bei der Produktion dieser Getränke werden dem aufbereiteten
Wasser relativ geringe Mengen Konzentrat zugegeben, die in einem konstanten
Mengenverhältnis und homogen mit dem Wasser vermischt werden müssen.
Konzepte für die Herstellung von Fertiggetränken
Für die Herstellung der aromatisierten Wässer bieten sich unterschiedliche
Konzepte an. Neben der traditionellen Herstellung von Getränkesirup (niedrig
konzentrierter Sirup) wird hoch konzentrierter Premix produziert und
anschließend in einer kontinuierlichen Mischanlage ausgemischt. Alternativ
werden einzelne Konzentrate und Vorprodukte direkt ausgemischt.
- Konzept 1: Getränkeherstellung über niedrig konzentrierten Sirup
Bei dieser Konzeption wird über die Chargenmischanlage ein Getränkesirup mit einem hohen
Wasseranteil hergestellt. Dieser Sirup wird dann in einer Gemischregelanlage
für zwei Komponenten in einem Verhältnis von ca. 1 + 4 mit Wasser zum
Fertiggetränk ausgemischt. Dieses Konzept benötigt relativ große Mischtanks
hinter der Chargenmischanlage. Bedingt durch den hohen Wasseranteil ist es
möglich, alle Konzentrate dem Fertigsirup zuzufügen.
- Konzept 2: Getränkeherstellung über hoch konzentrierten Premix
Durch den niedrigen Wasseranteil müssen zwei getrennte Vorprodukte (Premix)
hergestellt werden, weil einige Konzentrate nur stark verdünnt miteinander in
Verbindung gebracht werden dürfen. Eine Chargenmischanlage dient zur
Herstellung von Premix. Diese Vorprodukte werden dann in einer
Gemischregelanlage für drei Komponenten in einem Verhältnis von jeweils ca. 1 +
40 mit Wasser zum Fertiggetränk ausgemischt.
- Konzept 3: Getränkeherstellung über Direktausmischung von
Konzentraten
Über eine Gemischregelanlage für vier bis acht Komponenten wird das
Fertiggetränk direkt ausgemischt. Feststoffe werden in Vorlagebehältern gelöst,
die direkt an der Gemischregelanlage angeschlossen sind. Flüssige Konzentrate
und Zuckerlösung werden in Containern bereitgestellt und sind direkt
angeschlossen. Alternativ werden flüssige Konzentrate aus Flaschen über
Vorlaufgefäße der Gemischregelanlage zugeführt.
Bei diesem Konzept ist das
Fertiggetränk schnell verfügbar, da die Vorbereitungszeit im Gegensatz zu den
beiden anderen Konzepten geringer ist. Liegen alle Konzentrate in flüssiger
Form vor und werden sie in Containern bereitgestellt, entfällt die
Vorbereitungszeit ganz.
Chargenmischanlage
zur Herstellung von Sirup / Premix
Die Chargenmischanlage dient zur rezepturgesteuerten Herstellung von
Vorprodukten für die beiden ersten Konzepte. Mehrere Einzelkomponenten werden
nacheinander in Mischtanks dosiert und dort gemischt. Üblicherweise sind zwei
Mischtanks der Chargenmischanlage zugeordnet, so dass eine kontinuierliche
Vorsorgung für die nachfolgende Ausmischanlage erreicht wird. Ein Tank wird mit
dem Produkt gefüllt und gerührt. Der andere Tank steht zur Versorgung der
Gemischregelanlage zur Verfügung. Eine genaue Planung der Tankgrößen und der
zeitlichen Abläufe der Dosiervorgänge, Mischphasen und Analysen ist notwendig,
um eine durchgehende Bereitstellung des Sirups zu gewährleisten.
Die Anlage besteht aus Dosierlinien für die Teilentleerung von
Konzentratcontainern, einem Lösetank für Trockenstoffe, einer Entleerstation
für Flaschen, einer Fassentleerung und zwei Dosierlinien für Flüssigzucker und
Wasser. Flüssigkonzentrate aus Flaschen und Fässern und Trockenstoffe müssen in
abgewogenen Einheiten zur Verfügung stehen. Diese Mengen werden durch die
Anlage nicht gemessen. An den Dosierlinien für Konzentrate sind je zwei
Container mit dem gleichen Produkt angeschlossen. Wird ein Container leer,
schaltet die Anlage automatisch auf den zweiten Container um. Der Produktmangel
wird über eine gemeinsame Entlüftungs-laterne festgestellt. Diese Laterne dient
auch zur Prüfung des Durchflussmessers in der Konzentratlinie.
Die Chargenmischanlage arbeitet im Vollschlauchprinzip. Vor dem Start und
nach der Beendigung des Mischvorganges ist das gesamte Leitungssystem bis zum
Mischtank mit Wasser gefüllt. Ein sofortiger Rezepturwechsel ist dadurch ohne
Zwischenreinigung möglich.
Rezepturgesteuert erfolgt die Befüllung des Lösetanks mit Wasser, die
Vorgabe der erforder-lichen Lösezeit, das Entleerung und Ausspülen von
Konzentratfässern, die Entleerung und das Ausspülen der Flaschenentleerstation,
die hochgenaue Dosierung von Konzentraten aus Containern, Zuckerlösung und
Wasser. Die benötigten Wassermengen für die Lösung von Trockenstoffen und zum
Spülen der Konzentratfässer werden von der Gesamtwassermenge automatisch
subtrahiert. Eine automatische Dichtekorrektur sorgt bei schwankendem Brix-Wert
in der Zuckerlösung für gleichbleibende Fertigsirupqualität.
Die Dosierung von Konzentrat, Wasser und Zuckerlösung erfolgt mit einer
zweistufigen Abschaltung, bei der die Restmenge mit verminderter
Durchflussleistung gefördert wird. Dadurch wird der Nachlauf von Produkt nach
dem Abschalten der Ventile erheblich vermindert. Eine Nachlaufkorrektur sorgt
zusätzlich für eine hochgenaue Dosierung der Komponenten. Der Dosiervorgang
wird kurz vor dem Erreichen der Rezepturmenge beendet, um Überdosierungen
bedingt durch die Schaltzeiten der Ventile zu kompensieren.
Die Reihenfolge der einzelnen Dosiervorgänge erfolgt rezepturgesteuert.
Dabei können einige Vorgänge parallel ablaufen. Wasser ist immer die letzte
Komponente. Bei der Dosierung der Restwassermenge werden alle Produktreste aus
Tanks und Rohrleitungen in den angewählten Mischtank gefördert. Die Mischtanks
sind mit Rührwerken oder Jetmixern ausgerüstet, um die nacheinander dosierten
Produkte homogen zu vermischen und um vorgelöste Trockenstoffe endgültig in
Lösung zu bringen. Die hier beschriebene hohe Ausbaustufe kann reduziert
werden, wenn zum Beispiel Konzentratcontainer nicht vorhanden sind. Es ist aber
auch möglich, zusätzliche Dosierlinien hinzuzufügen. Die Chargenmischanlage ist
sehr flexibel und kann problemlos an neue Produkte angepasst werden.

Die hohe Ausbaustufe der Chargenmischanlage kann reduziert werden, wenn
zum Beispiel Konzentratcontainer nicht vorhanden sind. Es ist aber auch
möglich, zusätzliche Dosierlinien hinzuzufügen. Die Chargenmischanlage ist sehr
flexibel und kann problemlos an neue Produkte angepasst werden.
Gemischregelanlage
für Fertiggetränke
Bei der Inline-Mischung werden flüssige Komponenten kontinuierlich in der
Rohrleitung in einem konstanten Verhältnis gemischt. Sie ermöglicht eine genaue
Mischung von nahezu beliebig vielen Komponenten.
In der Regel wird die Hauptkomponente Wasser über eine externe Pumpe der
Anlage zugefördert. Um Produktverluste gerade bei teuren Konzentraten und
Grundstoffen zu minimieren, werden Container und Behälter dicht an der Anlage
positioniert. Der Zufluss zur Anlage erfolgt vorzugsweise mit freiem Gefälle.
Die Förderung in die Mischleitung wird nach der Entlüftung durch Kreiselpumpen
bzw. Verdrängerpumpen realisiert, die auf der Anlage integriert sind.
Bei allen Komponenten mit der Gefahr von Lufteinschlägen sind
Entlüftungsgefäße erforderlich. Sie dienen zur Abscheidung von ggf.
mitgeführter Luft, zur automatischen Umschaltung in der Produktzuführung (wenn
ein Behälter bzw. ein Container leer wird), zur Meldung von Produktmangel und
zur regelmäßigen automatischen Prüfung der Durchflussmesser im
Konzentratbereich.
Alle Mengen der Flüssigkeitsströme werden laufend durch die Durchflussmesser
erfasst und an die Anlagensteuerung weitergegeben. Der Regler vergleicht die
Messwerte mit den vor-gegebenen Mischungsverhältnissen zwischen den einzelnen
Komponenten und steuert die Regelorgane so, dass die Vorgabewerte genau
eingehalten werden. Eine wichtige Voraussetzung für die hochgenaue Mischung ist
die Verwendung von exakten und zuverlässigen Durchflussmessern. Die Toleranz
des Durchflussmessers geht direkt in das Ergebnis ein. Abhängig vom Produkt und
den Rezeptvorgaben werden Volumen- oder Masse-Durchflussmesser eingesetzt.
Als Regelorgan werden Regelventile oder positive Pumpen mit Frequenzumformer
eingesetzt. Die Regelventile drosseln den Volumenstrom über einen beweglichen
Kegel. Sie sind mit pneumatischem Antrieb und einem Stellungsregler
ausgerüstet. Die Produktförderung erfolgt hier mit Kreiselpumpen. Positive
Pumpen mit Frequenzumformer werden bei viskosen Produkten und bei Komponenten
mit geringen Durchflüssen eingesetzt. Mit Hilfe des Reglers wird über einen
Frequenzumformer die Drehzahl der Pumpe so verändert, dass der gewünschte
Durchfluss erreicht wird.
Das Einbringen von kleinen Durchflussmengen in einen großen Volumenstrom
erfordert spezielle Anforderungen an den Dosierpunkt. Hier dürfen im Nebenstrom
nur kleine Nennweiten verwendet werden, um ein unkontrolliertes Auswaschen der
Konzentrate aus großen Querschnitten zu verhindern. Spezielle Absperrorgane
werden direkt an der Mischleitung positioniert. Für die homogene Vermischung
wird ein statischer Mischer verwendet, in dem durch Umlenkbleche große
Turbulenzen in der Flüssigkeit erzeugt werden. Je nach Aufgabenstellung und
Produkteigenschaften können auch andere technische Lösungen eingesetzt
werden.
Um eine hohe Produktqualität zu gewährleisten, wird ein digitaler Regler
eingesetzt. Dieser Regler ist speziell auf Gemischregelanlagen abgestimmt. Die
Eingänge für Mengenimpulse er-möglichen eine impulsgenaue Regelung ohne
zusätzliche Fehler durch eine Signalumwandlung. Kurzfristige Fehler werden
komplett ausgeregelt. Eine Abweichung in positiver Richtung, z. B.
hervorgerufen durch eine plötzliche Druckerhöhung in einer Komponente, wird in
kurzer Zeit durch eine Korrektur in negativer Richtung total kompensiert.
Die Rezepturen für die verschiedenen Produkte werden in der Steuerung
gespeichert. Neben den Mischungsverhältnissen werden auch Sollwerte für die
Analyse, Grenzwerte für Überwachungen und ggf. Produktparameter gespeichert.
Die Eingabe von Einzelmengen je Komponente bezogen auf eine beliebige
Gesamtmenge (Einheit) in den Rezeptspeicher vereinfacht die Bedienung und
nachträgliche Prüfung der Rezepte. Aus diesen Daten errechnet die Steuerung
automatisch die Mischungsverhältnisse.
Die Eingabe von Einzelmengen je Komponente bezogen auf eine
beliebige Gesamtmenge (Einheit) in den Rezeptspeicher vereinfacht die Bedienung
und nachträgliche Prüfung der Rezepte. Aus diesen Daten errechnet die Steuerung
automatisch die Mischungsverhältnisse.
Aufgaben der Anlagensteuerungen
Neben den eigentlichen Dosier-, Regler- und Steuerfunktionen hat die
Anlagensteuerung noch weitere Aufgaben:
- Berechnung der Mengen bzw. Verhältnisse aus produktspezifischen Werten
- Automatische Korrektur bei schwankendem Brix in der Zuckerlösung
- Protokollierung des Betriebsablaufes und der Prozessdaten
- Verriegelung von Sollwerten, Regelparametern vor unberechtigtem Zugriff
- Steuerung für das Vorschieben und Ausschieben des Produkts
- Reinigen der Gesamtanlage oder von Teilbereichen
- Produktmangelüberwachung, ggf. automatische Tankumschaltung
- Rohstoffüberwachung über Leitfähigkeits- oder Dichtemessung
- Durchflussüberwachung
- Überwachung der Regelabweichung
- Prüfung einzelner Durchflussmesser über Prüfgefäße
- Funktionskontrolle von Ventilen und Pumpen.
- Überwachung von Rührzeiten, sofern Produkte zum Sedimentieren neigen
Auftretende Fehler werden gemeldet und protokolliert, die Produktion wird
unterbrochen und erst nach Freigabe durch den Bediener fortgesetzt.
Fazit
Die richtige Konzeption für eine neue Produktionsanlage muss in einem
intensiven Dialog zwischen Anlagenbetreiber und Anlagenbauer herausgearbeitet
werden. Es gibt keine Standardlösung. Die Auswahl ist von vielen Faktoren
abhängig:
- Gesamtleistung der Anlage
- Produktvielfalt
- Chargengrößen
- Verfügbarer Platz
- Verfügbarkeit und Art der Rohstoffe
- Gewünschter Automatisierungsgrad
- Vorgegebener Kostenrahmen
Weitere Kriterien sind für die unterschiedlichen Anwendungen zu
berücksichtigen. Hier kann nur ein Hersteller mit langjähriger Erfahrung im
Mischanlagenbau die optimale Lösung für den individuellen Einsatzfall
finden.
Der Autor:
Gerhard Bohne, Jahrgang 1950; Ausbildung zum
Elektromechaniker; Weiterbildung zum staatlich geprüften Elektrotechniker. Seit
1977 tätig bei Diessel (jetzt GEA Diessel);
Gruppenleiter in der
Konstruktion und Projektleiter. Ab 2000 im Vertrieb zuständig für
Anlagenplanung und Angebotserstellung
Veröffentlicht in: GETRÄNKE! Technologie & Marketing
4/2006
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