Der Weg zum fertigen Getränk
Ausmisch- und Dosiertechnik für alkoholfreie Getränke
In der Getränkeherstellung wird zwischen zwei Herstellungsmethoden
unterschieden: Dosieren und Mischen. Der vorliegende Artikel gibt einen
Überblick über den aktuellen Stand der Technik sowie über Einsatzmöglichkeiten.
Die über Jahrzehnte bekannteste Herstellungsmethode zur Herstellung eines
karbonisierten oder eines nicht karbonisierten Fertiggetränkes ist die
Dosiertechnik. Dosieren heißt, eine Stoffmenge nach Größe und zeitlicher
Verteilung vorwählbar einem Produktions- oder Messvorgang zu- oder abzuführen.
Dies bedeutet für die Getränkeindustrie, dass ein Volumen über ein
Fördermedium und Messtechnik mit Mengenvorwahl einem Zieltank zugeführt wird.
Zur Förderung der benötigten flüssigen Volumen werden überwiegend Pumpen
eingesetzt.
Kreiselpumpe
Eine Kreiselpumpe ist eine Strömungsmaschine zur Energieerhöhung mittels
eines rotierenden Laufrads. Die Pumpe dient zur Förderung von Flüssigkeiten
durch Rohrleitungen. Flüssigkeiten, die sich im Pumpengehäuse befinden, werden
vom rotierenden Pumpenrad mitgerissen und zunächst auf eine Kreisbahn im
Pumpengehäuse gezwungen. Auf dieser Bahn treibt der durch Fliehkraft aufgebaute
Druck das Wasser radial nach außen in das angeschlossene Rohrleitungsnetz.
Standard-Kreiselpumpen sind normalsaugend, d. h. Pumpe und Saugleitung müssen
stets mit Medium gefüllt sein.
Gerät während des Betriebs Luft in die Saugleitung, bricht die Förderung in
der Regel zusammen. Es gibt besondere Konstruktionen wie Zellenspülpumpen oder
Jetpumpen, die, wenn sie angefüllt sind, die Saugleitung selbstständig
entlüften können. Eine besondere Kreiselpumpe ist die Seitenkanalpumpe, eine
selbstansaugende Kreiselpumpe, die allerdings zu den Verdrängerpumpen gehört.
Kreiskolbenpumpe
Kreiskolbenpumpen sind zwangsfördernde Pumpen, die einen sehr hohen Druck
aufbauen können. Dieser Druck kann so stark ansteigen, dass nachgeschaltete
Absperrorgane oder sogar die Kreiskolbenpumpe zerstört werden kann. Daher darf
dieser Pumpentyp niemals gegen ein geschlossenes System betrieben werden. Im
Praxisfall wird die Pumpe mit einem Bypass versehen. Der Bypass beinhaltet ein
federbelastetes Ventil, welches beim Erreichen des voreingestellten Druckes den
Bypass öffnet. Das Fördermedium wird dann im Kreislauf um die Kreiskolbenpumpe
gefördert. Im Inneren der Pumpe laufen zwei gewölbte Kreiskolben berührungsfrei
in zylindrischen, totraumfreien Kammern. Die auf das Fördermedium wirkenden
Scherkräfte sind bei dieser Bauart der Pumpe sehr gering. Das Resultat ist die
schonende Förderung auch von viskosen Medien mit Feststoffanteilen. Besonders
vorteilhaft ist die pulsationsfreie Förderung der Kreiskolbenpumpe mit Hilfe
der Frequenzregelung.
Volumenmesstechnik
Zur Bestimmung des zu dosierenden Volumens werden überwiegend magnetisch-induktive Durchflussmesser
oder Massedurchflussmesser eingesetzt. Der induktiven Messung liegt das
Faraday’sche Induktionsgesetz zu Grunde. Bei der Bewegung eines Leiters (hier
Flüssigkeit) durch ein Magnetfeld wird eine Spannung erzeugt. Die erzeugte
Spannung ist proportional zur Durchflussgeschwindigkeit und weitgehendst
unabhängig von Messstoffeigenschaften wie Dichte, Viskosität, Konsistenz, Druck
und Temperatur.
Voraussetzung für eine exakte Messung ist somit eine ausreichende
Mindestleitfähigkeit der zu messenden Flüssigkeit. Bei einer elektrischen
Leitfähigkeit größer 10 µS sind keine messtechnischen Probleme zu erwarten.
Massemessung – Flüssigkeiten fließend verwiegen
In den letzten Jahren hat die Massedurchflussmessung zur Ermittelung der
Masse in Kilogramm zunehmend an Bedeutung gewonnen. Durch die direkte
Ermittelung der Masse und der Dichte im Durchfluss werden Waagen oder
Umrechnungsformeln weitgehend überflüssig. Der Massedurchflussmesser wird aus
einem Rohr hergestellt, welche die Form eines Bogens, Halbkreises oder
Vollkreises besitzt.
Je nach Medium (Gase oder Flüssigkeiten), Masse oder Flussgeschwindigkeit
sind die Rohre entsprechend groß oder klein gebaut. Auch sind weitere Formen
als oben beschrieben möglich. Mit ihnen kann eine Genauigkeit für den
eichfähigen Verkehr erzielt werden. Das Messgerät ist für Mehrphasenströmung
sehr gut geeignet. Zum Beispiel haben Gasblasen in Flüssigkeiten keinen
nennenswerten Fehlereinfluss. Der Druckverlust ist sehr gering, da es sich nur
um Bögen handelt. Das Rohr besitzt keine Spalte und lässt sich daher in der
Lebensmittelindustrie exzellent einsetzen. Das Ergebnis der Messung wird der
Corioliskraft zugeschrieben, die nach dem französischen Physiker Gaspard
Gustave de Coriolis benannt ist.
Fahrbare Dosieranlage mit Massedurchflussmesser
und Mengenvorwahl
Batch-Betrieb
Übersetzt aus dem englischen bedeutet Batch schubweise, die Beschickung, die
Charge oder die Ladung. Das Arbeiten im Batch-Betrieb beinhaltet die
Zusammenführung von Grundstoffen nach individuellen Rezepturen. Die
Batch-Anlage in der Getränkeindustrie ist ein flexibles System zur schubweisen
Beschickung eines oder mehrere Mischbehälter, mit der Einbindung einer
variablen Anzahl an Grundstoffen/Essenzen.
Die automatisierte Produktion mit der Förderung über entsprechende
Pumpensysteme kann als fahrbare Chargenmischanlage oder als stationäre
Chargenmischanlage installiert werden. Üblicherweise bestehen solche Systeme
aus einem auf einem Grundrahmen installierten Mess- und Dosieraufbau.
Fahrbare Chargenmischanlage
Der Grundaufbau in Verbindung mit mehreren Einlassventilen, Entlüftung,
Pumpe, Messgerät und einem Zweistufenventil erlaubt die Verwendung als einfache
Chargenmischanlage. An den
Scheibenventilen sind die Konzentrate bzw. die Grundstoffe angeschlossen. Ein
Scheibenventil ist am Produktwasser angeschlossen. Die gesamte Anlage ist über
das Wasserventil bis zum Mischtank mit Wasser gefüllt. Nacheinander werden in
Abhängigkeit der Rezeptur die Konzentrat-/Produktventile geöffnet und
geschlossen. Der Dosiervorgang wird mit Produktwasser beendet. Das
Produktwasser schiebt die Rohrleitung zum Mischbehälter frei; somit ist mit
Produktwasser das Leitungssystem gereinigt worden und der Anfangszustand (alles
ist mit Produktwasser gefüllt) ist wieder hergestellt.
Besonders ist im Zusammenhang mit diesem Anlagenaufbau zu erwähnen, dass
sich eine Messungenauigkeit des Messgerätes auf alle Messmedien innerhalb der
Charge auswirkt. Ein Mischfehler ist somit weitgehendst ausgeschlossen. Dieses
System bietet sich besonders für Abfüllbetriebe mit kleinen Ansatzchargen
an.
Die fahrbare Chargenmischanlage zur Mischung von flüssigen Produkten ist
eine preisgünstige Lösung zur Automatisierung und Modernisierung im
Ansatzbereich.
Folgende Merkmale zeichnen die Anlage aus:
- hohe gleich bleibende Produktqualität,
- optimaler Rohstoffeinsatz ohne Überdosierung,
- hohe Genauigkeit und Reproduzierbarkeit,
- Sicherheit gegen Fehlbedienung,
- Entlastung des Personals im Ansatzbereich.
Stationäre Chargenmischanlage DI-Batch
Die Chargenmischanlage vom Typ DI-Batch zur Mischung von flüssigen und
pulverförmigen Mehrkomponentenprodukten ist eine praxiserprobte und preiswerte
Lösung zur Automatisierung
und Modernisierung im Herstellungsbereich. Die
Anlage ist angeordnet zwischen der Rohstofflagerung auf der einen Seite sowie
den Mischtanks auf der anderen Seite. Durch ihre geringe Abmessung lässt sich
die Anlage leicht in ein bestehendes Konzept einbinden. Im Wesentlichen
beinhaltet der Anlagenaufbau die automatische Dosierung der einzelnen
Konzentrate und Rohstoffe. Ein Lösebehälter mit rezepturgesteuerter
Wasserdosierung ermöglicht das exakte Lösen von Trockenstoffen.
Über ein Lanzensystem können Grundstofffässer oder kleine Gebinde mit
rezepturgesteuertem Spül-Nachwasser restentleert und dem Mischtank zugeführt
werden. Eine Flaschenentleerung als sogenannte Rework-Station kann auf Wunsch
Bestandteil des Anlagenaufbaus sein.
Fahrbare Chargenmischanlage mit Ringkolbenzähler
Ausmischtechnik im Inline-Verfahren
Das Ziel eines Mischvorganges ist, eine Mischung herzustellen in der eine
Probe genau oder mit definierter Genauigkeit das Verhältnis der zugegebenen
Ausgangsstoffe wieder gibt. Mischungen können aus einer oder mehreren
Komponenten mit gleichen oder unterschiedlichen physikalischen oder chemischen
Eigenschaften, bestehen. Für die Getränkeindustrie ist die Homogenität des
Gemisches von entscheidender Bedeutung.
Für einen hohen Bedarf an sofort verfügbarem Fertiggetränk werden
kontinuierlich arbeitende Ausmischanlagen eingesetzt. Die Gemischregelanlage des Typ DICON
der GEA Diessel GmbH mischt flüssige Komponenten kontinuierlich bereits in der
Rohrleitung in einem konstanten Verhältnis. Die Kombination von hochgenauen
Messgeräten (magnetisch-induktive Zähler oder Massedurchflussmesser), digital
arbeitenden Reglern und hochwertigen Regelorganen ermöglicht eine exakte
Mischung von zwei oder mehreren Komponenten.
Die Komponenten Wasser, Zuckerlösung und Fertigsirup werden durch externe
Pumpen der Anlage zugeführt. Die Auswahl einer geeigneten Pumpe ist wie vorher
beschrieben von größter Wichtigkeit. Alle Volumenströme werden laufend über die
Durchflussmesser erfasst und somit werden die Zählimpulse an die
Anlagensteuerung weitergegeben.
Die Steuerung vergleicht die Messwerte mit den vorgegebenen Verhältnissen
und steuert die Regelorgane so, dass die Rezeptvorgaben exakt eingehalten
werden.
In der Rohrleitung vermischen sich die unterschiedlichen Komponenten auf
Grund der unterschiedlichen Strömungsverhältnisse. Statische oder dynamische
Mischer sorgen in Abhängigkeit der unterschiedlichen Viskositäten für eine
homogene Mischung des Getränkes. Im Falle der Karbonisierung des Getränkes wird
über die Druckerhöhungspumpe eine zusätzlich konsequente Vermischung des
Getränkes erzielt. In diesem Fall kann unter Berücksichtigung der
unterschiedlichen Komponenten auf einen vorgeschalteten Mischer verzichtet
werden.
Zusammenfassung
Vorgestellt wurden in diesem Bericht zwei hochgenaue Verfahren zur
Herstellung eines Getränkes. Für die jeweilige Beurteilung, welches Verfahren
zum Tragen kommt, muss das Umfeld der Betriebsstätte und das zu produzierende
Volumen an Getränk betrachtet werden. Grundsätzlich würde ein
Inline-Mischverfahren Sinn haben, wenn ein großes Abfüllvolumen mit wenig
Produktwechsel zu erwarten ist. Bauliche Voraussetzungen, die eine Erweiterung
der baulichen Substanz (neuer Sirupraum mit Mischtank) nicht zulassen, wären
ein gutes Argument das Inline-Mischverfahren zu favorisieren.
Das Dosieren mit Chargenmischanlagen bietet sich besonders für Betriebe mit
kleinen Abfüllvolumen an. Kurzfristige Produktwechsel können problemlos
durchgeführt werden, da das System am Anfang und am Ende mit Wasser gefüllt
ist. Die benötigten Mischtanks bieten für einen erhöhten Sicherheitsgedanken
hinsichtlich der Produktqualität die nachträgliche Möglichkeit der Korrektur
des dosierten Getränkes.
Der Autor:
Wolfgang Zenker; 1983 bis 1985 Studium an der
Fachschule für Elektrotechnik Hildesheim zum staatlich geprüften
Elektrotechniker. 1985 bis 1986 tätig im Bereich der Nachrichtentechnik. Seit
1987 Key Account Manager „Erfrischungsgetränke- und Spirituosenindustrie“ bei
GEA Diessel GmbH.
Veröffentlicht in: GETRÄNKEINDUSTRIE 3/2007
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