Abgesicherte Messtechnik:
Worauf man sich verlassen kann
Die Erfassung von Messgrößen ist die Grundvoraussetzung zur Optimierung von
Betriebsabläufen
Zahlen sind wichtig! Zahlen begleiten uns im täglichen Berufs- und
Privatleben. Nicht nur in der Technik werden Produktionsabläufe in Zahlen
ausgedrückt, sondern moderne Qualitätsmanagement- und Controllingverfahren
verwenden beispielsweise signifikante Kennzahlen, die eine Beurteilung des
Betriebes ermöglichen. Unter dem Begriff „BalanceScoreCard“ findet man Ansätze,
die helfen, die Effektivität von Firmenstrategien zu beschreiben. Die
wesentliche Kennzahl für den Erfolg oder Misserfolg einer Firma ist
letztendlich zwar die Gewinn-/Verlustrechnung der Finanzleitung, aber die Wege
zu diesen ultimativen Zahlen müssen möglichst transparent und über-sichtlich
gestaltet sein. Hierzu ist es notwendig, möglichst alle Bereiche eines
Betriebes wirkungsvoll und objektiv abzubilden, um sie beurteilen zu können.
Innerhalb der Fertigungsabläufe sorgt dagegen die physikalische und analytische
Messtechnik als klares faktisches Instrument für die Darstellung der einzelnen
Teilprozesse.
Prozesssicherheit, aber auch Aussagen zur Effektivität und Wirkungsgrad
eines Verfahrens sind wichtige Triebfedern zur Entscheidung für Umfang und Art
der zu verwendenden Messtechnik. Geräte- und Systementwicklungen im Bereich
moderner Prozessinstrumentierung müssen sich an den Bedürfnissen der Anwendung
orientieren. Der ständige Dialog zwischen Lieferant und Kunde und die
Verzahnung von Gerätetechnik und Anwendung ist eine unerlässliche
Notwendig-keit für eine ständige Weiterentwicklung und Verbesserung von
Messsystemen und -geräten. Die Vielfalt, unterschiedliche Prozessparameter
messen zu können, wird ständig erweitert. Während etwa vor 30 Jahren nur das
Thermometer und das Manometer zu der messtechnischen Grund-ausrüstung für
Prozessanlagen in den Nahrungsmitteln verarbeitenden Industrien gehörte, ist
beispielsweise die Durchflussmessung oder Inhaltsstoffmessung heute bereits
häufig Bestand-teil moderner Fertigungseinrichtungen.
Messgrößen wie Leitfähigkeit, Trübung, Dichte, Schallgeschwindigkeit, Farbe,
Füllstand usw. gehören mittlerweile zum Stand der Technik in
Produktionsprozessen. Auch analytische Verfahren, wie beispielsweise die
Bestimmung von Inhaltsstoffen in komplexen Gemischen wie Alkohol in Likören
oder die Zählung von Hefezellen in Vergärungsprodukten befinden sich auf dem
Sprung von der Labor- zur Prozessmesstechnik. Infrarot- und diverse
Spektral-messtechniken bieten in der Zukunft noch einiges Innovationspotenzial
für die industrielle Anwendung.
Prozesskennzahlen helfen Geld sparen
Soll ein Herstellungsprozess durch geeignete Steuerung oder Regelung
optimiert werden, gilt nach wie vor der Grundsatz, dass man natürlich zunächst
diese Messgröße sicher und genau erfassen muss, bevor man sie beeinflusst. So
ist bei einer thermischen Behandlung eines Getränks nicht nur die Temperatur,
sondern u. a. auch die Verweilzeit eine wichtige Einflussgröße. Eine
kombinierte Temperatur-/ Durchflussmesseinheit, die die relevanten Messwerte
ermittelt und gleichzeitig vollautomatisch die notwendigen Regelmaßnahmen
einleiten kann, löst exakt diese Verfahrensanforderung.
Für GEA Diessel gehören „Nischenanwendungen“ seit Anbeginn zur strategischen
Ausrichtung in der Messtechnik. Basierend auf dem magnetisch-induktiven
Durchflussmessprinzip liefert beispielsweise der IZM-T™ diese messtechnische
Kombination, die auch vielfältige Anwendungen in der notwendigen amtlichen
Registrierung von Mengen findet. Für dezentralen Einsatz bietet der Aufbau der
Messgeräte auf fahrbaren Trolleys den Vorteil, dass man praktisch an jeder
Stelle des Betriebes diese Messtechnik nutzen kann. Werden für die Steuer- oder
Regelelemente, wie z. B. Absperrklappen oder Regelventile, elektromotorische
Antriebe verwendet, reduziert sich für den Bediener die Versorgung
beispielsweise auf einen elektrischen Anschluss.
Mobile volumetrische Messanlage zur automatischen Befüllung mit amtlichem
Druckbeleg
Die vollautomatische und exakte Befüllung von Containern, Tankwagen oder
sonstigen Gebinden spart Zeit und reduziert den Produkteinsatz. Durch diese
Geräte wird also nachweislich Geld gespart. GEA Diessel bietet hierfür eine
Vielzahl unterschiedlicher Varianten an, die sich den spezifischen
Erfordernissen des Kunden anpassen. So liefern Massedurchflussmessgeräte nach
dem Coriolis-Prinzip gleich mehrere Messgrößen. Dichte, Temperatur, Durchfluss
und Volumen von Flüssigkeiten und Gasen lassen sich auf diese Weise
gleichzeitig bestimmen, aufzeichnen und auswerten. Bei reinen
2-Komponentengemischen, wie z. B. beim Zuckersirup, lässt sich mit diesen Daten
bereits die Konzentration der Lösung berechnen und so eine Kennzahl für den
Wirkungsgrad innerhalb der Produktionskette zu jeder Zeit ermitteln. In
Brauereien wird auf ähnliche Weise die Ausbeute der eingesetzten Malzmenge in
Bezug zum ausgelieferten fertigen Bier ermittelt.
Überproportional steigende Energiekosten fördern die Notwendigkeit, z. B.
den tatsächlichen Verbrauch je verkaufsfähiger Einheit (z. B. Energiekosten je
Hektoliter Bier) laufend zu messen und zu überwachen, um umgehend Maßnahmen
einleiten zu können, sofern sich der Wirkungsgrad des einzelnen
Produktionsteils markant verschlechtert. Die von GEA Diessel gefertigten
typischen Baugruppen für die Herstellung von Getränken, wie Wasserentgasung (DIOX™ und
VARIDOX™), kontinuierliche
Ausmischungsanlagen (DICON™) oder Karbonisiersysteme (DICAR™) werden auf Optimierung der
Verbrauchsdaten stets konstruktiv überwacht. Dabei sind der Anteil und die Güte
der verwendeten Messtechnik von entscheidender Bedeutung.
Wasserentgasung VARIDOX™ mit integrierter Kühlung
Höchste Prozesssicherheit gefordert
Der hohe technische Qualitätsstandard bei Elektronik und Mechanik spiegelt
sich auch bei der Zuverlässigkeit der heutigen Messgeräte wider. Noch vor
Jahren galt eine Lebenszeit von sieben Jahren als typisch. Durch stetige
Weiterentwicklungen und Verbesserungen werden diese Angaben zum Beispiel bei
den magnetisch-induktiven Durchflusszählern weit überschritten. Natürlich ist
bei mechanischen Messsystemen eine zyklische Wartung erforderlich, aber auch
hier hat der Einsatz von neuen Materialien zu einer merklichen Verbesserung
geführt. Beispielsweise konnten die Standzeiten beim CO2-Messsystem DI-TRACO™ durch den
Einsatz von modernen, hochwertigen Materialien fast verdoppelt werden.
Kommt es dann dennoch einmal zu internen Störungen, so wird eine Vielzahl
von möglichen Fehlfunktionen bereits durch Eigenüberwachungsmechanismen im
Messsystem selbst erkannt und gemeldet, so dass der Betreiber sofort reagieren
kann und kostenintensive Fehlchargen vermieden werden. Bereits bei der
Maschinenkonzeption ist dabei allerdings wichtig, dass entweder eine Handebene
die Weiterproduktion ermöglicht oder die für die Funktion kritischen
Geräteteile als Ersatzteil kurzfristig verfügbar sind.
Da bei sehr sensiblen Prozessverfahren ein Geräteausfall zu sehr
schwerwiegenden Folgen führen kann, bietet GEA Diessel Produktionseinheiten mit
erhöhter Redundanz (Latein: „im Überfluss vorhanden sein“) an.
Beispielsweise wird bei Gemischregelanlagen, wie bei der DICON™, eine
kombinierte Verhältnis- und Konzentrationsregelung realisiert. Plausible
Grenzwerte entscheiden über die Zulässigkeit der einzelnen Messergebnisse.
Untypische Abweichungen werden dem Operator umgehend gemeldet, so dass er nach
kurzer Überprüfung behelfsmäßig auf die Alternativmesstechnik umschalten kann.
So genannte „Twin-Systeme“ dagegen verwalten ihre Funktionsfähigkeit
praktisch selbst. Hier ist die Gerätetechnik komplett doppelt ausgeführt und
wird in der Art „Master- und Slave-System“ betrieben. Im Normalfall arbeitet
die Maschine mit den Messwerten des Masters. Als Variante ist aber auch die
Mittelwertbildung der Ergebnisse von Master und Slave möglich, wobei die
Einzelwerte auf Plausibilitätsgrenzen hin überwacht werden.
Im Fall eines Geräteausfalls wird automatisch vom Master-System auf das
Slave-System umgeschaltet, so dass die Weiterproduktion gewährleistet ist; das
gibt Sicherheit auch während der Nachtschicht.
Zusammenfassung
Die Erfassung von Messgrößen ist die Grundvoraussetzung, um entsprechende
Maßnahmen zur Optimierung von Betriebsabläufen einleiten zu können. GEA Diessel
stellt seit Jahren diverse Messgeräte her und setzt unterschiedliche
Messsysteme in ihren Anlagen innerhalb der Nahrungsmittelindustrie ein. Für
sehr sensible Bereiche innerhalb der Produktion kann sich eine mehrfach
abgesicherte (redundante) Mess- und Regeltechnik, die bei GEA Diessel als
„Twin“-Systeme bezeichnet werden, trotz erhöhter Anschaffungskosten langfristig
auszahlen.
Der Autor:
Hermann Hartmann, Dipl. Physiker, bei GEA
Diessel verantwortlich für Mess- und Datentechnik
Veröffentlicht in: Getränke! Technologie & Marketing 4/2007
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