Der Milch auf der
Spur
Brennpunkt:
Milchsammelwagen
Der Rohstoff „Milch” erlebt weltweit einen
Aufschwung. Jahrzehntelang war der Begriff Milch inklusive seiner Produkte mit
einem negativen Image verbunden. „Milchsee”, „Butterberg” usw. waren innerhalb
der EU-Länder ein Synonym für Probleme durch Überproduktion für dieses
Grundnahrungsmittel. Reglementierungen wie „Milchquote” oder „Abschlachtprämie”
waren die Antwort der Europäischen Agrarhüter, um den Überfluss einzudämmen.
Allein seit dem Jahr 2001 ist der Erzeugerpreis in Deutschland um fünf €-Cent
pro Liter auf teilweise unter 0,28 € zurückgegangen. Seit Anfang 2007
scheint der Preis für die Milch auf breiter Front geradezu zu explodieren.
Allein diese Wertsteigerung des
Rohstoffs „Milch” motiviert alle Beteiligten der Erzeuger- und
Produktionskette, möglichst 100 Prozent vom Euter bis in das Endprodukt
gelangen zu lassen und mögliche Verlustlöcher zu stopfen.
Im Mess- und Anlagengeschäft
gilt die Faustregel: „Je wertvoller der Rohstoff, desto wichtiger und lohnender
wird der Einsatz von hochwertiger Technik”.
Betrachtet man die
Verarbeitungskette der Milch, so bietet die Volumenmesstechnik genau das
richtige Werkzeug für Optimierungsmaßnahmen.
Die Anforderungen an die
Genauigkeit sind dabei der Schlüssel zum Erfolg. Genauigkeit, eben dieses
Attribut, stand bei der Firma GEA Diessel von Beginn an bei der Entwicklung der
Messtechnik im Mittelpunkt. Die mechanischen Ringkolbenzähler von Diessel
brachten mit dem hygienischen Design bereits in den 50er-Jahren den Durchbruch
für die lebensmittelverarbeitende Industrie. Die sogenannte „Diessel-Uhr” war
und ist noch heute das Markenzeichen für Genauigkeit und Zuverlässigkeit bei
der Mengenerfassung von Milch, Bier und anderen flüssigen
Nahrungsmittelprodukten. Die vielen Vorteile der modernen berührungslosen
Sensorik, wie beispielsweise die Durchflusszähler nach dem
magnetisch-induktiven Messprinzip, haben die mechanischen Zähler heutzutage
weitgehend ersetzt.
GEA Diessel entwickelt und produziert seit mehr als 20
Jahren erfolgreich Durchflussmessgeräte dieses Prinzips. Die Typenfamilie IZM™ ist in den unterschiedlichen
Gerätevarianten bereits seit Jahren weltweit im Einsatz.
Durch die
niedrigen Gerätekosten dieser Technik ist der Einsatz von Durchflussmessgeräten
an vielen Stellen innerhalb der Produktion selbstverständlich geworden.
Der
Verlust von Mengen innerhalb der Verarbeitungskette allein ist schon schlimm
genug, aber nicht zu wissen, wo die kostspieligen Verluste auftreten, muten
noch viel schlimmer an!
Erfahrene Messtechniker wissen natürlich, dass das
Messgerät zwar das „Herz” einer Messstelle ist, dass aber auch die
Randbedingungen passen müssen, um eine einwandfreie Messung gewährleisten zu
können. Luft im Produkt ist „Gift” für jede hochgenaue Messung. Diese Tatsache
spiegelt sich auch im Anforderungskatalog für jede Messstelle wider, die z. B.
für Verrechnungszwecke von amtlicher Seite her überwacht werden muss.

Milchannahme aus dem
Hofbehälter
Mobile Messanlagen
Bei dem Weg der Milch fängt diese Anforderung spätestens bei der
Milchabholung mit dem Milchsammelwagen auf dem Hof an. Hier spielt die Luft
eine ganz entscheidende Rolle, denn der Schlauch ist vor der Annahme zunächst
immer erst einmal leer und das muss er auch sein. Während des Ansaugens aus
Kanne oder Hofbehälter ergibt sich eine Mischung aus Luft und Milch, die
messtechnisch keine definierte Mengenermittlung ermöglicht. Erst ein
Zwischenbehälter, der sogenannte Luftabscheider, löst diese Aufgabe und ist bei richtiger
Dimensionierung der Schlüssel zu einer einwandfreien Mengenerfassung, die
üblicherweise
von amtlicher Seite, dem Eichamt, bestätigt werden muss. Zur
Optimierung der immer wichtiger werdenden hohen Annahmeleistungen auf z. B. 60
000 l/h oder sogar 90 000 l/h dient eine ausgeklügelte Sensorik mit
Druckmessung und Luftblasenerkennung („Bubble-Sensor”), kombiniert mit einer
integrierten Luftabscheider-und Pumpensteuerung. Übrigens darf im Schlauch,
nachdem die Rohmilch aus Kanne oder Hofbehälter leer gesaugt wurde, natürlich
keine Milch mehr verbleiben, denn eine exakte Mengenmessung funktioniert nur,
wenn die Verhältnisse vor und nach der Annahme (Mengenabgrenzung) gleich sind.
Ein wichtiger Parameter bei der Genauigkeit eines Milchsammelwagensystems ist
die kleinste Annahmemenge. Je kleiner die Mengen sind, die noch einwandfrei
gemessen werden müssen, desto aufwendiger ist in der Regel die Anlagentechnik.
Die Anlieferung von Milchkannen an Sammelpunkten zum Beispiel ist nach wie vor
eine hohe Herausforderung an die Mess- und Anlagentechnik.
Diese
grundlegende Anforderung der Mengenerfassung auf dem Milchsammelwagen hat sich
in den letzten 25 Jahren durch die elektronischen und kommunikativen
Möglichkeiten für die automatische Milchgeldabrechnung bis hin zu komplexem
Flottenmanagement erheblich weiterentwickelt.
Messanlagensteuerung und
Datenerfassungssystem e gehören in den hoch entwickelten Ländern zur
Grundausstattung der Tankwagen. Die sofortige Verfügbarkeit der Daten in der
Zentralstation, wie auch akute Rückmeldungen an die Fahrer, sind heutzutage
interessante Möglichkeiten bei der Logistik. Flexible Steuersysteme, wie die
sogenannten „ZEVODAT”™-Geräte
erfüllen dieses Anforderungsprofil von modernen Molkereien bzw.
Transportgesellschaften. GEA Diessel bringt mit seiner Neuentwicklung, der
Gerätegeneration „ZEVODAT-flash™”, jetzt ein schlagkräftiges Elektroniksystem
auf den Markt, das schon in der Grundausstattung über eine weitreichende
Funktionalität verfügt. Die Möglichkeit, auch die Mengenmessung in die
Steuerung und Datenerfassung zu integrieren, senkt die Kosten für die einzelne
Messstelle.
Moderne Kommunikationstechniken, wie z. B. die Datenübertragung
mit dem gegenüber GPRS etwa fünfmal schnelleren Verfahren EDGE sowie die
Lieferantenerkennung per GPS gehören bereits zur Grundausstattung der
ZEVODAT-flash™.
Zusätzlich zur Milchmengenerfassung ist in den vergangenen
Jahren die Probenahme auf den Fahrzeugen immer interessanter geworden, um auch
die Qualität der Milch bei der Annahme auf dem Hof zu erfassen. GEA Diessel
bietet hier bereits seit Jahren Geräte für die Einzel- und Tourenprobenahme an.
Die gleichmäßige Befüllung der Probeflasche wird dabei in der
ZEVODAT-flash™ automatisch über die gemessene und die erwartete Milchmenge des
Lieferanten erreicht.
Touroptimierungsprogramme, die mit den Fahrzeugen
aktiv kommunizieren können, erzielen einen hohen Befüllungsgrad für jeden
Tankwagen auf der Tour und reduzieren so Fahrkilometer und -zeit.
Stationäre Messanlagen
In vielen Molkereien wird
zusätzlich zur Mengenerfassung auf den Milchsammelwagen nochmals eine
Gegenkontrolle bei der stationären Annahme durchgeführt. Auch diese Messung
kann eichamtlich erfolgen und auch hier ist üblicherweise eine au
tomatische Probeentnahme installiert.
Da bei dieser Messaufgabe
Annahmemengen üblicherweise größer sind als bei der Annahme aus Milchkannen
oder Hofbehältern, und zudem die örtlichen Gegebenheiten günstiger sind, kann
eine stationäre Messanlage in der Regel einfacher konzipiert werden.
Ähnlich wie auf den Fahrzeugen werden auch bei der stationären
Annahmeanlage die Tourdaten während des Abladevorgangs mit der gemessenen
Milchmenge und mit der Identifizierung der zugehörigen Querschnittsprobe
verknüpft und der Datenverarbeitung des Betriebes zugeführt. Auf diese Weise
ist eine doppelte Überprüfung von Quantität und Qualität des Rohstoffs gegeben.
Zusammenfassung
Je wertvoller ein Rohstoff, desto lohnender ist eine genaue Überwachung und
Nachverfolgung von Qualität und Quantität. Für den Rohstoff Milch bietet die
Technik von GEA Diessel verschiedene Ansätze hinsichtlich der Mengenerfassung,
Messanlagensteuerung, Datenkommunikation und Probenahme, um den Forderungen von
Molkereien auch aus eichamtlicher Sicht gerecht zu werden. Die neue
Elektronikplattform ZEVODAT-flash™ bietet hierbei eine zukunftsweisende Technik
mit einem interessanten Preis-Leistungsverhältnis. Ein weiterer Baustein für
die Lösung komplexer und spezieller Kundenanforderungen.
Der Autor:
Hermann Hartmann, Dipl.
Physiker, bei GEA Diessel verantwortlich für Mess- und Datentechnik
Veröffentlicht in: Deutsche Milchwirtschaft
24/2007
Klicken Sie auf das PDF-Symbol zum Herunterladen
der Publikation: