Von Bacchus’ Gedanken wohl getragen
Moderne Anlagen zur Spirituosenverarbeitung
Von der Herstellung des Rohalkohols bis hin zur fertigen verkaufsfähigen
Spirituose bedarf
es einer intensiven weiteren Verarbeitung, von der
Rektifikation (Entfernung unerwünschter
Nebenstoffe, die bei der Vergärung
entstehen, wie z. B. Aldehyde, Methanol, Propanol
und Fuselöle) über die
Verschneidung (Einstellung der Alkoholkonzentration) bis zur Zugabe
von
Aromen und Geschmacksträgern. In diesem Bericht wird ausschließlich die
Verarbeitung von Neutralalkohol (Ethanol) nach der Rektifikation
betrachtet.
Alkoholannahme und Verschneidung
In den überwiegenden
Fällen wird der Neutralalkohol mit LKW angeliefert. Üblicherweise werden mehr
als 25 000 l Ethanol aus Gründen der Wirtschaftlichkeit pro Anlieferung
entladen. Im Allgemeinen stellt die Lagerung von so großem Volumen an Ethanol
mit ca. 96,5 Vol.-Prozent reinem Alkohol ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar.
Vorschriften zur Ex–Zone 1 und Ausrüstung der Tanks gemäß ATEXII müssen
berücksichtigt werden.
Anforderungen an den Gewässerschutz, höhere Versicherungen für den
Feuerschutz und zusätzliche Auflagen der Gewerbeaufsicht sind zu erfüllen. Für
die Weiterverarbeitung hat es sich bewährt, den Neutralalkohol auf eine
Konzentration von < 70 Vol. Prozent mit Wasser zu verdünnen.
Die Verschneidanlage für Alkohol-/Wassermischungen Typ DIVA™ von der GEA Diessel GmbH
– nimmt das Alkohol/Wassergemisch an,
– erfasst und dokumentiert die
Masse des Alkohol/Wasser (A/W)-Gemisches mit einer
Genauigkeit
besser 0,1 Vol.-Prozent reinen Alkohol,
– regelt die Wasserzugabe
entsprechend der vorgewählten Endkonzentration,
– kontrolliert und regelt
das Massenverhältnis A/W-Mischung zum Verschneidwasser,
– dosiert das
A/W-Gemisch über eine Mengenvorwahl in den Zieltank,
– kann im Bedarfsfall
als zollamtliche Anlage ausgelegt werden,
– überträgt nach Anforderung den
Datensatz auf ein übergeordnetes Rechnersystem.
Für die Herstellung von sogenannten Alkopops und anderen Szenemischgetränken
eignen sich Herstellungsanlagen aus der Getränkeindustrie, wie nachfolgend
aufgeführt.
Vorteile der automatischen
Verschneid-Annahmeanlage
- Gegenkontrolle des angelieferten A/W-Gemisches
- Automatische Alkoholkonzentrationsmessung
- Verschneiden des A/W-Gemisches mit einer Genauigkeit von ± 0,1 Vol.-Prozent
Alkohol
- Dokumentation über Druckbeleg
- Vereinfachung im Bereich Ex-Schutz, Gewässerschutz, Arbeitssicherheit,
Feuerversicherung, Gewerbeaufsicht, Bauplanung
Wasserentgasung
Sauerstoff in Getränken beeinträchtigt
die Haltbarkeit und den Geschmack. Deshalb ist es wichtig, für die Herstellung
von Getränken entgastes Wasser zu verwenden. Die zweistufige Wasserentgasung
der GEA Diessel GmbH erreicht gute Restsauerstoffwerte und ist deshalb für
diese und andere Anwendungen geeignet. Über eine zentrale Wasserentgasung Typ
DIOX™ werden alle
Produktwasserverbraucher versorgt. Durch den konsequenten Einsatz von entgastem
Wasser z. B. auch im Chargenansatzbereich, wird die Sauerstoffbelastung des
Produktes auf ein Minimum beschränkt. Die Wasserentgasungsanlage arbeitet nach
dem Prinzip einer zweistufigen Vakuumentgasung und zusätzlicher CO2-Wäsche. Das
Wasser verlässt die Anlage nahezu ohne Aufnahme von gebundenem CO2.
Aufgaben der Wasserentgasung
- Bereitstellung von hochwertigem Getränkewasser,
- Minimierung der Oxidation im Getränk,
- Reduzierung des Restsauerstoffgehaltes unter 0,05 ppm möglich,
- Minimierung des Aufschäumens beim Abfüllen.
Automatisches Dosieren im Misch-Ansatzbereich
Bedingt
durch eine große Anzahl unterschiedlicher Rezepte und dauernder Anpassung an
die Anforderungen des Marktes müssen die unterschiedlichsten Liköre in kurzer
Zeit und mit gleichbleibender Qualität produziert werden. Die Ergebnisse der
Ausmischung mit der Chargenmischanlage DIMA-S™ (auch Batch-Anlage genannt, zur stapelweisen Vorlage
in einen Zieltank) verbindet die dauernd hohe Qualität des ausgemischten Likörs
mit der hohen Flexibilität bei der Umstellung auf neue Rezepte.
Die Verwendung eines Messsystems für alle Komponenten garantiert eine hohe
Mischgenauigkeit. Fehler hinsichtlich der Mischgenauigkeit während eines
Batchvorgangs (Ansatz) sind weitgehend ausgeschlossen. Eine
Kalibrierungseinheit prüft automatisch und rechnergesteuert die Messgenauigkeit
der eingesetzten Messtechnik. Der Aufbau der Chargenmischanlage berücksichtigt
von vorn herein den späteren, weiteren Ausbau von bis zu 5 zusätzlichen
Komponentenventilen.
Die Anlage ist vorgesehen für die Anbindung von Aroma-Tanks oder
IBC-Aroma-Container. Trockenstoffe können rezeptgesteuert mit Getränkewasser
vermischt werden, Fässer und Kleingebinde können mit einer Sauglanze abgepumpt
werden. Für die Restspülung wird von der Steuerung ein zu definierendes
Getränkewasservolumen dosiert. Die beschriebene GEA Diessel-Anlage arbeitet im
sogenannten Vollschlauchprinzip. Am Anfang und am Ende des Dosiervorgangs ist
die Anlage mit dem gleichen Produkt gefüllt. Alkohol, Zucker oder Wasser am
Anfang und am Ende ermöglichen einen Sortenwechsel ohne Zwischenreinigung unter
der Voraussetzung, dass im Folgerezept diese Medien mit ausreichendem Volumen
zur Verfügung stehen.
Vorteile der Chargenmischung
- Ein Messgerät für alle Produkte
- Verbrauchsprotokollierung der Rohstoffe
- Nachrüstbar für weitere Komponenten
- Dosierung von Trockenstoffen möglich
- Zwischenreinigungen können entfallen
Schema der
Chargenmischanlage typ DIMA-S™
Kontinuierliche Spirituosenausmischung
Ein beachtlicher
Kostenfaktor bei der Planung von neuen Abfülllinien ist die Bereitstellung von
umbautem Raum. Neuplanungen in bestehenden Räumlichkeiten oder auch die
Neuplanung von neuen Betriebsstätten sind immer in Verbindung mit
Kosten-Nutzen-Analysen zu betrachten. Umfangreiche Ausstattungen des
Ansatzbereiches mit aufwendigen Misch-Lagerbehältern können das Budget sehr
schnell in die Höhe treiben. Bei der Planung des Misch- und Ansatzbereiches ist
die vorhandene Produktpalette ein entscheidendes Kriterium für die Installation
von automatischen Mischanlagen. Produkte, die immer wiederkehrend in großem
Volumen über längere Zeit abgefüllt werden, können ohne zusätzliche
Misch-Ansatzbehälter dem Füller direkt zugeführt werden.
Es werden kontinuierlich (Inline) verschiedene Konzentrate mit einer
A/W-Mischung, Wasser und Flüssigzucker nach Rezeptvorschrift direkt in der
Rohrleitung als Fertigspirituose vermischt. Die Anlage stellt die fertige
Spirituose/Likör dem Füller zur Verfügung. Natürlich ist es auch möglich, ein
Basiskonzentrat mit einer A/W-Mischung und Wasser zu vermischen. Bei Start und
Stopp des Füllers werden die momentanen Stellungen der Regelorgane gespeichert.
Die digitale Steuerung sorgt für einen Neustart ohne einen relevanten
Mischfehler.
Vorteile der kontinuierlichen Ausmischung
- Platzsparende Bauweise
- Geringer Installationsaufwand
- Leine Mischtanks erforderlich
- Konzentrateinsparung durch höchste Genauigkeit
- Einfache Bedienerführung
- Kurzer Zeitbedarf bei Produktwechsel
- Proportionale Massenmessung zur Ermittlung des Gewichtes (Option)
Kontinuierliche Mischanlage
Karbonisieren und Getränkeanalyse
Der Getränkemarkt für
Spirituosen ist heutzutage flexibler und schnelllebiger als je zuvor. Viele
verschiedene Szenemischgetränke mit zum Teil kurzer Lebensdauer am Markt und
die ständige Nachfrage nach neuen Produkten mit besonderen
Geschmackserlebnissen für den Konsumenten, stellen die Getränkehersteller und
Anlagenbauer immer wieder vor neue Herausforderungen.
Ein erheblicher Anteil der geschmacklich empfundenen Frische des Getränkes
wird durch die Zugabe von CO2 gefördert. Überwiegend in alkoholfreien
Erfrischungsgetränken, in Bier, Wein, Sekt und auch in anderen Mischungen mit
Alkoholanteilen wird CO2 als Geschmackbildner eingesetzt. Die neuen
Herausforderungen an die Hersteller von Spirituosen und RTD-Getränken (Ready To
Drink) erfordern neue Techniken im Bereich der Abfüllung.
Besonders im low proof-Bereich Alk. < 10 Vol.-Prozent werden immer mehr
Getränke karbonisiert. Komplette Systeme für das Inline-Karbonisieren mit
automatischer Inline-Analyse für CO2, Brix, Alkohol und Farbe sichern die hohe,
gleichbleibende Qualität des abzufüllenden Getränkes.
Vorteile der Inline-Karbonisierung DICAR™
- Lange Verweilzeit im Druckbehälter
- Großes Puffervolumen für den Füller
- Komplette Inline-Analyse
- Geringer CO2-Verlust durch CO2-Rückführung
- Direkte Regelung des CO2-Gehaltes
Reinigungsanlagen/CIP
Hinsichtlich des Anspruches an die
hohe Qualität und Haltbarkeit des hergestellten Produktes müssen
Produktionslinien regelmäßig gereinigt werden. Hierfür werden zentrale oder
dezentrale CIP-Reinigungsanlagen für den gesamten Prozessbereich eingesetzt. Ob
als Reinigungsanlage mit einem Kreislauf oder anlagenbedingt mit mehreren
Kreisläufen zur gleichzeitigen Reinigung ausgestattet, trägt die CIP-Reinigung
in erheblichem Umfang zu einer gleichbleibenden Produktqualität bei.
Wichtige Kriterien bei der Auslegung der DICIP™-Anlage sind:
- sparsamer
Umgang mit Wasser, Lauge und Energie durch Rückführung von Nachspülwasser,
Heißwasser und Lauge, dadurch gleichzeitig Reduzierung der
Abwassermenge und -Belastung,
- automatische Aufschärfung von Lauge und
automatische Erwärmung von Lauge und Wasser,
- automatische Steuerung
des Reinigungsablaufs,
- variable Programme, leicht änderbar
durch den Anwender, erlauben die exakte Anpassung der Reinigungsprozeduren an
die jeweilige Aufgabenstellung.
Ein Reinigungsprogramm kann aus folgenden Schritten zusammengestellt
werden:
- Vorspülen mit bereits für das Nachspülen eines vorangegangenen
Reinigungsablaufs genutztem Wasser. Das zurückkommende Vorspülwasser wird
verworfen.
- Laugen, heiß. Die Lauge wird, gesteuert über ein
Leitfähigkeitsmessgerät im Rücklauf, wieder in den Laugentank zurückgefördert.
Entfernung von Proteinen, Fetten und organischen Belägen.
- Heißwasser. Das Wasser wird mittels Erhitzer auf die
voreingestellte Temperatur erhitzt. Das Wasser wird, gesteuert über ein
Leitfähigkeitsmessgerät und die Temperaturmessung, wieder in den Heißwassertank
zurückgefördert.
- Desinfektion. Dem Frischwasser wird in einem festen Verhältnis
Desinfektionsmittel zugegeben.
- Säureschritt. Mit einer schwachen Säurespülung werden anorganische
Beläge und Versteinerungen gelöst. Noch verbleibende Mikroorganismen werden
abgetötet.
- Nachspülen, kalt. Dieser Schritt ist immer der letzte in einem
Reinigungsablauf. Das Wasser wird nach dem Durchlauf im Vorspülwassertank
aufgefangen.
- Die Steuerung bietet dem Anwender die Möglichkeit, verschiedene Abläufe
auszuwählen.
Fazit
Für die Verarbeitung eines hochwertigen und
teuren Rohstoffs (Ethanol) ist es unumgänglich, in neue und moderne Techniken
zu investieren. Allein aus wirtschaftlichen Gründen können Verluste beim
Verschneiden, Mischen oder beim Produktwechsel nicht hingenommen werden. Eine
gleichbleibende Kontinuität der hergestellten Spirituose wird dem Hersteller
Vorteile auf dem Markt sichern und zukünftige neue Markteinführungen absichern.
Egal, ob auf konventionelle Technik oder auf Inline-Verfahren ausgerichtet, ob
einzelne Komponenten oder komplette Anlagen benötigt werden, GEA Diessel GmbH
hat für alle Prozesse eine passende Lösung parat.
Der Autor:
Wolfgang Zenker
Staatlich geprüfter
Elektrotechniker; 1983 bis 1985 Studium an der Fachschule für Elektrotechnik in
Hildesheim; 1985 bis 1987 tätig im Bereich der Nachrichtentechnik; Seit 1987
Key Account Manager „Erfrischungsgetränke und Spirituosenindustrie“ bei GEA
Diessel GmbH
Veröffentlicht in: GETRÄNKEINDUSTRIE
8/2008
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