Radler & Co im Freiberger Brauhaus:
Mischen & Dosieren
Ausmischanlage für Biermischgetränke im Einsatz
Der Markt für Biermischgetränke ist in den letzten Jahren stetig
gewachsen. Fast jede größere Brauerei hat Biermischgetränke in ihrem Sortiment.
So auch das Freiberger Brauhaus in Freiberg/Sachsen. Die Brauerei ist Teil der
Radeberger Gruppe und bedient seit Jahren erfolgreich den sächsischen Markt.
Einen immer größer werdenden Anteil umfasst der Bereich Biermischgetränke.
Zurzeit werden Radler und Cola-Bier hergestellt.
Im Spätsommer 2007 wurde
im Freiberger Brauhaus der Entschluss gefasst, die Herstellung der
Biermischgetränke auf das gleiche hohe technische Niveau zu bringen, welches in
allen Abteilungen der Brauerei anzutreffen ist.
Im Zuge einer flexiblen Produktions- und Abfüllplanung, verbunden mit dem
Wunsch, die vorhandenen Tankkapazitäten nicht unnötig mit Biermischgetränken zu
belegen, entschied sich das Freiberger Planungsteam für eine kontinuierliche
Ausmischung der Biermischgetränke. Als bekannter und kompetenter Lieferer von
kontinuierlicher Ausmischtechnik kam die GEA Diessel GmbH in den engeren Kreis
der Anbieter und erhielt letztlich durch eine überzeugende technische Lösung,
ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und die angemessene Lieferzeit den
Auftrag zur Lieferung der kontinuierlichen Ausmischanlage DICON-C™.
Technische Auslegung
Gemeinsam mit dem Planungsteam im Freiberger Brauhaus wurden schon im ersten
technischen Gespräch folgende Details verbindlich festgelegt:
- eine kontinuierliche Ausmischung ohne eigenen Puffertank direkt vor der
KZE; der Puffertank der Kurzzeiterhitzung wird auch als Puffer für die
Mischanlage genutzt
- die Anlagenleistung kontinuierlich an die Füller-/KZE-Leistung anpassen;
durch den fast unvermeidlichen Stop-and-go-Betrieb einer Abfüllanlage soll die
Ausmischanlage möglichst wenig beeinflusst werden. Dadurch ist die
höchstmögliche Ausmischgenauigkeit sichergestellt
- eine kompakte Bauweise mit integrierten Container-Stellplätzen für die
Grundstoffe; erweiterbar für eventuelle zusätzliche Grundstoffe bei
Sortimentserweiterung
- die Bedienbarkeit direkt an der Anlage über eine Grafikbedieneinheit und
ebenfalls von der übergeordneten Steuerung
- die Integration in das vorhandene Filterkeller-CiP-Verfahren ohne
Veränderungen im CiP-Ablauf, bei Einhaltung der im Freiberger Brauhaus
geforderten Reinigungsstandards
Ausführung der Anlage
Die Anlage wurde sehr kompakt
gebaut und den räumlichen Gegebenheiten optimal angepasst. Im Herstellerwerk in
Hildesheim wurde die Anlage komplett gefertigt und die bei GEA Diessel übliche
Prüfprozedur mit Wasser durchgeführt. Nach dem Einbringen der Anlage an den
Produktionsort erfolgte die Einbindung in das Rohrleitungssystem sowie die
elektrische und automationstechnische Anbindung gemeinsam mit örtlichen
Firmen.
Biermischanlage mit vier Containerstell-
plätzen und zwei fest
installierten Löse- und
Vorlagebehältern
Technologische Merkmale
- Leistung der Ausmischanlage: 250 hl karbonisiertes Fertiggetränk pro Stunde
durch direktes Ausmischen der Komponenten in der Fertigproduktleitung
Anzahl der Dosagelinien: 8
- Bier
- Entgastes, gekühltes Brauwasser aus Puffertank
- Colagrundstoff aus Wechselcontainer
- Fruchtsäure aus Wechselcontainer
- Aroma aus fest installiertem Vorlagebehälter
- Ascorbin aus fest installiertem Vorlagebehälter
- Süßung aus Wechselcontainer
- CO2 in der Karbonisiereinheit DICAR-B™
Technische Merkmale:
- sehr hohe Ausmischgenauigkeit durch präzise Durchflussmesstechnik
- Digitalreglung; dadurch gibt es keine bleibenden Regelabweichungen
- Prüfung der Konzentrate durch Dichtemessung; eine Verwechslung der
Container und eine fehlerhafte Produktion ist faktisch ausgeschlossen
- integriertes Containergestell oberhalb der Mischanlage
- CO2-Zuführung an die Container zum Aufrühren der Konzentrate sowie zum
Zurückdrücken der Konzentrate nach Produktionsende
Die Anlagenteile
- fest installierte Komponententanks für Vorlösung von Trockenstoffen
- Stellplätze für die Wechselcontainer mit den Zuläufen der Konzentrate zu
den einzelnen Dosagelinien
- CO2-Dosage; Injektor und Regelventil
Die Konzentrate werden den Dosagepumpen über freien Zulauf zugeführt. In den
Konzentratlinien kommen Massedurchflussmesser zum Einsatz. Zusätzlich zum
exakten Messergebnis wird gleichzeitig die Dichte des Konzentrates ermittelt.
Diese wird mit den im Rezeptspeicher hinterlegten Referenzdichten verglichen.
Die Ausmischung erfolgt inline nach den in der Steuerung hinterlegten
Rezepturen. Neben der rein volumetrischen Zusammensetzung des Fertigproduktes
sind Qualitätsparameter hinterlegt.
Dies sind:
- Stammwürzegehalt in °Plato
- Leitfähigkeitsmessung in mS/cm2
- CO2-Gehalt in g/l
Eventuelle Abweichungen ober- und unterhalb der frei wählbaren Grenzwerte
der einzelnen Komponenten werden sehr schnell erkannt und korrigiert.
Inbetriebnahme der Mischanlage
Durch zwei Techniker der Firma GEA Diessel GmbH wurde die mechanische und
elektronische Installation durchgeführt. Mit großem Interesse und Mitwirkung
seitens des Freiberger Brauhauses ist die Inbetriebnahme rasch und effizient
durchgeführt worden. Die bei einer solch komplexen Aufgabenstellung
erforderlichen Maßnahmen wie
- die Einbindung der Anlagensteuerung in die Betriebsdatenerfassung
- die mechanische Abstimmung und Anpassung mit den nachgeschalteten
Aggregaten (KZE)
- die Vorbehandlung der Trockenstoffe und deren optimale Lösetemperatur
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wurden gemeinsam mit dem Projektteam des Freiberger Brauhauses gelöst.
Regelung der Anlage
Die wesentlichsten Bestandteile der Anlagensteuerung sind die digitalen
Durchflussregler sowie das Solldurchfluss-Berechnungsmodul. Anhand der
hinterlegten Rezeptur errechnet das Solldurchfluss-Berechnungsmodul aus dem
vorgegebenen Gesamtdurchfluss und den Komponentenanteilen die einzelnen
Komponentendurchflüsse. Die Berechnung erfolgt kontinuierlich.
Sollte
während der Produktion die Durchflussleistung des Hauptstroms oder einer
Komponente nicht aufrecht erhalten werden können, erfolgt sofort eine
Neuberechnung der Solldurchflüsse aller Komponenten.
Die Mischanlage
arbeitet in diesem Fall nicht mit der Nennleistung, jedoch ist die
Zusammensetzung der Einzelkomponenten im Fertigprodukt zu 100% gewährleistet.
Zur Ausregelung der einzelnen Durchflüsse sind spezielle „selbstlernende“
digitale Softwareregler eingesetzt. Diese Regler sind in der Lage,
Verschiebungen der Dosagemenge der Einzelkomponente zu erkennen, zu integrieren
und auszugleichen. Sie zeichnen sich auch durch ein äußerst schnelles
Einschwingen nach Produktionsstart aus, wobei auch jede Startregelabweichung
nach wenigen Sekunden nachgeholt wird.
Eine Besonderheit der
Durchflussregler ist ihr Reaktionsverhalten auf Soll-Durchfluss-Änderungen.
Anders als herkömmliche Regler tasten sie sich nicht schrittweise an die neuen
Sollwerte heran, sondern berechnen diese anhand des Vergleiches des Soll- und
des Momentandurchflusses. Sie reagieren ohne ein Überschwingen sofort auf
Durchflussänderungen.
Betriebserfahrungen
Nach Bereitstellung der Konzentrat-Wechselcontainer mittels Hubwagen oder
Gabelstapler an dem richtigen Stellplatz und dem Befüllen der Vorlagebehälter
wird die Anlage mit den Medien Bier und Wasser beschickt. Die
Produktionsfreigabe erfolgt nach der Produktanforderung durch die ABB-Steuerung
des Prozessleitsystems. Das Startsignal kommt entweder direkt von der
übergeordneten Steuerung oder per „Tastendruck“ auf der Grafikbedieneinheit der
Anlagensteuerung. Hierzu müssen alle Startbedingungen des Flaschenfüllers, der
KZE-Steuerung und der Produktwege durch Abfrage der ABB-Steuerung und der
Steuerung der Ausmischanlage erfüllt sein. Die Komponenten werden volumetrisch
dem Bier-Entgastwassergemisch zudosiert, Durchflussschwankungen im Hauptstrom
werden durch die frequenzgeregelten positiven Kreiskolbenpumpen in kürzester
Zeit angeglichen. Sämtliche Produktionsinformationen wie:
- momentaner Durchfluss
- Einzelmengen
- Gesamtmenge
- Konzentratverbräuche
- Stammwürzegehalt im Fertigprodukt
- CO2-Gehalt im Fertigprodukt
- Druck am Ausgang der Anlage
sind ständig verfügbar und werden in das Betriebsdatenerfassungssystem
übertragen. Bei schwankendem Durchfluss, bedingt durch Füller-Stopp und -Ein,
wird die Anlagenleistung über den Füllstand im KZE-Pufferbehälter geregelt.
Nach Ende der Produktion werden die Konzentrate aus der Anlage in die
Container zurückgedrückt. Dies geschieht mittels CO2, die Bediener schließen
lediglich eine oder zwei Schlauchverbindungen an.
Nach dem Leerdrücken der
Anlage wird das CiP-Programm gestartet. Alle Anlagenteile werden dabei optimal
gereinigt. Die Reinigung erfolgt mit Heißlauge und Säure, da die
Biermischgetränke jeweils die letzte Abfüllcharge vor den Wochenenden sind.
Die Mischanlage DICON-C™ steht für eine neue Produktion bereit. Aufgrund
der sehr niedrigen Sauerstoffwerte im ausgemischten Produkt bei gleicher
Abfülltechnologie und gleichen 02-Werten im abgefüllten Flaschenbier wurde nach
mehreren „Alterungsverkostungen“ auf die Ascorbinsäuredosage verzichtet.
Mit den zur Herstellung der Biermischgetränke von den Firmen Symrise,
Nördlingen und Aspera Brauerei Riese, Mülheim an der Ruhr, verwendeten
Grundstoffen wurden die in Tabelle 1 festgehaltenen Schwankungen im abgefüllten
Fertigprodukt gemessen. Alle vertraglich geforderten Garantiewerte wurden von
Anfang an problemlos erfüllt.
Die Autoren:
Dipl.-Brm. Hendrik Matthes,
Vertriebsingenieur der GEA Diessel GmbH, Hildesheim
Dipl.-Brm. Andreas
Schießl, Leiter Produktion der Freiberger Brauhaus GmbH, Freiberg/Sachsen
Veröffentlicht in: Getränke! Technologie & Marketing
5/2008
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